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© Auf den Spuren der Seele • Thema anzeigen - Der richtige Mann - zum historischen Jesus (Jeshua)

Der richtige Mann - zum historischen Jesus (Jeshua)

Alles zum Ursprung des Christentums

Beitragvon eik » Fr 22. Feb 2013, 09:13

Der richtige Mann © Juliane Bobrowski

Was in Wahrheit anders war

Die Geschichte des Christentums muss neu geschrieben werden - wieder einmal, aber nun rigoros anders. Es ist mit kleinen Korrekturen á la "Geburtsdatum Jesu" nicht getan. Denn das Geburtsdatum Jesu liegt statt irgendwo um die spätere "Zeitenwende" herum ungefähr in den Jahren -62 bis -57 und das wäre ein "unerheblicher" Unterschied von mehr als einem halben Jahrhundert, das ist die Zeit des Caesar, des Pompeius, des Marcus Antonius und der Kleopatra, das ist die Zeit des Herodes und des Augustus. Das ist die Zeit, da noch kein Prokurator Judäa regiert, sondern ein König.

Wenn wir die nach mehr als zweitausend Jahren verständlicherweise fragmentarische Quellenlage berücksichtigen und sehen, was alles wir noch bergen können, ist die Ausbeute doch beträchtlich, da haben wir die mit dem Spruch 100 engstens verbundene herodianische Münze mit dem Ankh, wir haben dieselbe Zweifel auszuschließen, sogar publiziert, verkünden also keine esoterischen Geheimlehren, sondern knallharte Fakten so hart solche zweitausend Jahre nach dem Fall x noch irgend sein können. Wir haben in Spruch 100 auch noch die Anspielung auf den großen Zensus, den Octavian als erste Großtat seiner Reichsreform in Angriff nahm, dieser belegt aus mehreren Quellen sowohl als solches als auch im Datum. Damit haben wir die nachgewiesene Verbindung Jesu mit dieser Zeit - nichts da mit Pontius Pilatus, Sejan und Tiberius, nichts da mit dessen diversen Übergriffen auf judäische Sitte und Brauchtum. Auch Augustus liebte zwar die Juden nicht, aber er war wohl mehr ein Salonantisemit - den Herodes persönlich hat er geschätzt, wenn er schon nicht mit diesem befreundet sein mochte. Befreundet war Herodes allerdings mit anderen Vertretern der römischen Elite: Marcus Antonius, Vipsanius Agrippa, dem Intimfreund Octavians, wie seine Beziehungen zu Caesar sich gestaltet haben, wissen wir nicht mehr genau, aber wir wissen, es gab welche, auch zu Kleopatra, die er erst auf den Thron heben half um sie später blutig zu hassen - nicht aus heiterem Himmel allerdings, hatte diese doch den Caesar beschwatzt ihr die Küstenstädte Judäas zum Geschenk zu machen, die eigentlich Herodes gehörten, und wer lässt sich gern vom Meer als dem Verbindungsweg durch das Imperium abschneiden? Herodes antwortete auf den Tort mit der Gründung von Caesarea in marem, aber da war Caesar seit vierzehn Jahren tot und Kleopatra soeben verschieden. Zwanzig Jahre baute er in dieser Stadt, die zu einem Schmuckstück der Zivilisation im sonst eher behäbig patinabelegten Osten wurde und später zur erklärten Hauptstadt der Provinz Judäa. Daneben baute er auch noch etliche Schlösser und Forts, dem gegen Jerusalem widerspenstigen Samaria gab er eine repräsentative Hauptstadt die er Sebaste - die Stadt des Augustus - nannte.



Wer war denn schon Herodes?

Die enge Bindung seines Vaters, des Antipatros des Älteren an den hasmonäischen Priesterkönig Hyrkan II legt nahe, dass diese durch die Königin Salome Alexandra Brüder zur linken Hand gewesen wären - dies wiederum macht die Absichten des Herodes nachvollziehbar anstelle des politisch untragbaren Hasmonäers Antigonos II, des Neffen des Hyrkan II, sich nach des Antipatros Tod in Rom um die Königswürde zu bewerben. Es ist nicht unmöglich davon auszugehen, dass in seinen Adern nicht nur arabisches (edomitisches) sonder auch jüdisch - königliches Blut floss, das ihn zu dieser Aktion berechtigte - politisch war er auf jeden Fall der Bessere. Er war ein Choleriker und Melancholiker, ein Mann der Furcht mit Gewalt beschwichtigte. In der Politik aber gab es für ihn kein Zähnefletschen - er lenkte das schwankende Schiffchen Judäa mit sicherer Hand durch die römischen Klippen solange er lebte. Ob man ihn sich privat als Ungeheuer vorstellen soll, bleibt ebenfalls umstritten - denn einerseits hat er in seiner eigenen Familie wie ein Werwolf gewütet, andererseits mag er auch Grund gehabt haben, mit dieser Familie energisch umzugehen, die vor allem durch seine ebenso mutige wie unglückliche Verbindung mit der Hasmonäerin Mariamne in den Grundfesten angreifbar geworden war. Man kann sich den Zank und das Gehetze daheim sicher vorstellen, das die einst um seinetwillen gegen ihre Familie aufsässige Mariamne unter dem fortgesetzten Einfluss der verwitweten hasmonäischen Damen entfesselte, sobald sie in Jerusalem residierten. Die, rachsüchtig, unternahmen es, ihr "die Augen zu öffnen" und was dabei herauskommt kennt man landläufig; es ist die "Aufklärung" der Intrige. Man kann sich vorstellen, wie sie ihm die Söhne entfremdete und zu Widersachern statt Nachfolgern ihres Vaters machte. Herodes hatte vorgehabt, sein Reich unter sie zu teilen und damit das hasmonäische Geschlecht sozusagen von Roms Gnaden wieder einzusetzen, sie aber machte durch ihre fehlgeleiteten Intrigen selbst die Rehabilitation ihrer Familie unmöglich, denn einen Putsch konnte und wollte Herodes nicht dulden - er hatte noch was vor mit Israel. Es mag ihn hart angekommen sein, aber Herodes war vor allem Politiker. So hat er wohl nicht zugesehen, als man Mariamne und ihre Söhne erschlug - aber er hat es befohlen, er hat seine große Liebe in seiner Seele erschlagen ehe er sie erschlagen ließ - das hat Spuren hinterlassen an denen er bis an sein Ende krankte. Er heiratete wieder und hatte auch Kinder - aber diese Frau, die ihn durch die finstersten Jahre seines Lebens begleitet und tapfer an seiner Seite um ihn und für ihn gerungen hatte, hat er wohl nie vergessen können. Gegen sie kamen weder Malthake noch Kleopatra, seine beiden späteren Frauen auf. Doris, die blasse Jerusalemitin, hatte er Mariamnes wegen bald verlassen.


Jesus...

Jesus hat Mariamne wohl kennengelernt, denn als er gegen - 38 aus Ägypten nach Hause zurückkehrte um als erstgeborener Sohn des Herodesbruders Joseph, der -39 gefallen war, die Familienangelegenheiten zu ordnen (Herodes hielt sehr auf Ordnung in der Familie) residierte Herodes in Galiläa, war dort mit Mariamne an der Vorbereitung des bevorstehenden Einzugs in Jerusalem beschäftigt. Die Familie des Joseph ist vermutlich in Galiläa geblieben - ob mit oder ohne Jesus wissen wir nicht. Aber er hat seine Freunde nicht im Umkreis des Herodes gesucht. Die Politikerclique mag ihm ebenso wenig Freude bereitet haben wie die Frommen, die "Paruschim" auch genannt "Pharisäer" welche um die hasmonäischen Damen wedelten. Zum Tempeladel, den sogenannten Sadduzäern hatte er ein ebenso gespanntes Verhältnis wie sein Onkel - aber aus ganz anderem Grund. Denn auch Jesus hatte etwas vor, in dem er sich mit seinem Onkel hier und da sogar traf: die Zukunftssicherung für das Volk Israel unter den neuen Bedingungen der römischen Hegemonie. Der Despot Herodes und der Weisheitslehrer Jesus - was konnten sie gemeinsam haben, das den Sanhedrin zu dem Stoßseufzer veranlasst hat: mit Jesus aber hatte es eine besondere Bewandtnis; er stand der Obrigkeit nahe (Sanh. 43 a)? Einmal die sehr wahrscheinliche (nicht bewiesene) verwandtschaftliche Beziehung. Zum Anderen wohl auch direktes Engagement Jesu in den Angelegenheiten seines Onkels. Herodes hat für seine Familienangehörigen sonst keine Münzen prägen lassen - für Jesus hat er es getan, dessen "Wappen" in seine eigene Heraldik übernommen, warum? Nur aus Sympathie sicher nicht. Sondern weil dieser Jesus etwas mitbrachte, was Herodes geeignet schien, seine politischen Vorhaben mit einer ideologischen Neuordnung zu untersetzen. Kein Wunder, wenn die jüdische Orthodoxie ihn scheel ansah, und kein Beschwichtigungsversuch verschlagen wollte. Herodes unterstützte einen Mann, dessen Programm darauf hinauslief die jüdische Tradition de facto zu zerschlagen und an die Stelle des Tempelkultes eine frei bewegliche Lebenslehre zu setzen, deren äußerliche Zeichen die reinste Gottlosigkeit waren: keine Opfer, keine Riten, keine Kultgebote, nur ein anständiges Leben (das Herodes allerdings nicht führte). Alles, was Jesus vom jüdischen Gesetz hätte bestehen lassen, wäre der Sabbat gewesen. Zudem, welche Frechheit, er stellte seine Lehre auch noch so da, als wäre sie Frucht und Baum des jüdischen Gesetzes und sie, die Orthodoxen, wären unfähig, das zu erkennen. "Die Zwei zu Einem machen", hieß das "Sakrament" der Lehre Jesu, aber dieses Sakrament ließ sich nicht ritualisieren, da jeder Mensch auf seine Weise aus seiner Zweiheit seine Einheit machen muss. Die "Unterweltsfahrt" als der Weg dorthin war kein Ritus, sondern ein Prozess, der sich immer wieder anders gestaltete und die Rolle seiner "Lehrer" war nicht die, Vermittler zur Gottheit zu sein, die Jesus nicht interessierte, sondern Helfer und Gefährte auf diesen "Fahrten" ins Ungewisse der Seelen. Er wollte in der Tat die Juden von einem opfernden "Volk", das seine Priester ernährte weil es in Furcht vor seinem Gott erstarrte, in ein Volk "umerziehen", in dem jeder Einzelne zuerst und vor allem darauf sah, mit sich selbst im Reinen und in seiner Seele mit sich eins zu sein. Davon aber konnte kein Priester leben. Die Lehrer des neuen Weges würden sich denn auch nicht von Opfergaben finanzieren können, sondern allenfalls von den Gaben ihrer jeweiligen Schüler oder - und das hatte Herodes vor und deshalb mochten ihn die Priester ebenso wenig wie die Pharisäer - sie wurden Staatsinstitution wie in Ägypten, wo Jesus gerade herkam und wo die Tempel und ihre Schulen seit jeher ein Posten im Staatsetat waren.

Wenn Herodes aber vorhatte, die Schulen der Erkenntnis zu Staatsinstitutionen zu machen, ist erklärlich, warum er das Ankh in den Kreis der offiziellen Symbolik aufnahm. Dann ist erklärlich warum er so gehasst wurde - was Despotie angeht, war er nämlich nicht schlimmer als die indessen vergötterten Hasmonäer und man hatte ihm im Grunde nicht mehr zu vergeben als dem alten Staatsheros David. Auch der hatte schließlich etliche seiner Frauen und Kinder umgebracht, sich an der Macht zu halten und bediente sich jeder Form der Staatsintrige, wenn irgendwo etwas zu holen war. Außerdem war Herodes' Politik von Erfolg gekrönt, Israel war so groß, ja sogar zeitweise etwas größer als es zu Davids Zeiten gewesen sein sollte. Es herrschte Frieden im Land und die sonst gierigen Nachbarn hielten sich respektvoll fern, denn die Außenwacht über dieses Land hatte das allmächtige Rom. Aber all das wollten die Priesteradeligen und die Theologenkaste nicht wahr haben und so redeten sie dem Volk ein, dass Herodes sie verraten und verkaufen würde. Sie hatten damit auch einigen Erfolg und Herodes musste, sehr gegen seine Intentionen, mehrere Male kleinere und größere Strafgerichte im Volk halten. Einen Bürgerkrieg, wie er davor jahrelang getobt hatte, konnte er aber effizient verhindern indem er überall den Anfängen wehrte. Natürlich hatte er um dieses bewerkstelligen zu können überall seine "Spitzel", die ihm die kleinste Unregelmäßigkeit berichteten. Und natürlich mochten die Orthodoxen diese "Spitzel" nicht. Und natürlich revanchierten sie sich mit eigenen "Spitzeln" und Ohrenbläsern in des Herodes Umgebung, entfremdeten ihm Söhne und Frau und sahen ungerührt zu, wie diese in die Katastrophe gerieten - weil sie das wiederum propagandistisch ausschlachten konnten und gegen Herodes den "Familienschlächter" verwenden.

Jesus hat neben dem hin ein relativ ruhiges Leben geführt - aber er war sich seiner Rolle und dessen, was man schlimmstenfalls daraus machen konnte, sehr bewusst. Daher erklärte er sich öffentlich: einen Reichen habt ihr sehen wollen? Denn er wusste sehr wohl wozu die Propaganda ihn machen sollte: zu einem korrumpierten Diener des blutrünstigen Königs. Er aber wendet das Blatt und zeigt auf die Propagandisten: die da reich sind, wohnen in schönen Häusern und tragen weiche Kleidung - die Wahrheit aber werden sie nicht erkennen können. Er reißt ihnen nicht nur die Masken ab, sondern bezeichnet sie auch gleich in aller Öffentlichkeit als Trottel. Dann hat er unter dem wohlberechneten Schutz seines Onkels sein Werk fortgesetzt - und er fand Mitstreiter. Ungefähr fünfzehn Jahre seines Lebens hat er ihm gewidmet und Spuren hinterlassen, die noch hundertfünfzig Jahre nach seinem Verschwinden aus Israel gelesen werden konnten von demjenigen, der als erster glaubte, im Ankh ein "Kreuz" und einen Hinweise auf die Hinrichtung eines Aufrührers gegen Rom lesen zu sollen.


Und wer noch?

Übrigens war Jesus nicht der Einzige, der zu dieser Zeit in Israel nach einer Neuorientierung suchte. Neben ihm arbeitete Jakob - vielleicht wirklich sein leiblicher Bruder und auf jeden Fall der "Heros Eponymos" des christlichen "Herrenbruders Jakobus" - daran, in der Wüste Juda eine neue Gesellschaft zu bereiten, die jüdisch war - sogar fanatisch jüdisch - die aber Abstand nehmen sollte von aller Korruption - ein illusorisches Ziel, weshalb er auch so recht keinen Boden unter die Füße bekam. Es war eben nicht damit getan, ein exemplarisches Leben "nach dem Gesetz" zu führen, denn dieses Gesetz selbst war mit lebensfeindlichen Vorschriften durchsetzt, die notwendig verletzt werden mussten und so die "Sollbruchstellen" für die fälligen Sühnopfer an die Priesterschaft produzierten - und nebenher die Menschen ihrem Gott untertan hielten, denn der permanente Sünder ist auch der permanent Abhängige, es sei denn, er sagt sich ganz los von diesem Gott. aber dann verliert er auch den sozialen Boden. Mir diesem Dilemma bekam auch Jakob zu tun und so musste er um das Gesetz halten zu können es bis zur absoluten Aggressivität verschärfen sowie eine eigenständige Sozietät schaffen. Das wiederum machte ihn auch politisch missliebig, und zwar nicht nur bei Herodes, sondern auch bei der angestammten Orthodoxie.

Ein anderer "Reformator" war Jochanaan, der davon ausging, dass Veränderung der Verhältnisse nur von der Veränderung der Seelen ausgehen könne und der deshalb auf die individuelle "Umkehr" also das Umdenken jedes Einzelnen abstellte. Das Judentum als solches wollte er ebenfalls nicht verlassen, aber er glaubte daran und machte andere daran glauben, dass Umdenken die Menschen zu einem besseren Verhältnis zu Jahve und damit zu ihrer eigenen Identität bringen könnte. Er setzte mit seinen Bußpredigten und Reinigungsriten tatsächlich eine Massenbewegung in Gang, weil er nicht wie Jakob den Ausstieg aus der Gesellschaft forderte, sondern ein anderes Verhalten innerhalb derselben. Das aber wiederum setzte ihm die Grenzen, denn diese Gesellschaft machte in ihren Grundfesten eben die Bigotterie, gegen die er aufstand, zur konstitutiven Einrichtung - ohne Gesetz keine Sünde und ohne Sünde keine Sühne, brave Bürger durfte es nicht geben, denn brave Bürger sind keine opferwilligen Bürger. Die von Jochanaan Gereinigten konnten selbst beim besten Willen das Leben, das sie bis dahin geführt hatten, innerhalb der israelitischen Gesellschaft nicht grundlegend ändern - der nächste Verstoß gegen irgendeine Vorschrift war vorprogrammiert.

Eine Zeitlang sympathisierte Jesus mit Jochanaan - er nannte ihn sicher nicht ohne Grund den "Größten unter den vom Weibe Geborenen". Aber er sah auch, dass Jochanaan bei allen teilweise richtigen Ansätzen das Wesentliche nicht erkannt hatte und auch nicht erkennen wollte, dass nämlich das System als solches unzureichend war und so sagte er von ihm dass "der Kleinste über Jochanaan erhaben" sein werde - nämlich derjenige, der bereit war, alles Bisherige zur Disposition zu stellen und sich und seine Vorstellungen gegenüber der zu erwartenden Wahrheit "klein" zu machen. Die Verwerfung war übrigens gegenseitig. Auch Jochanaan wollte fortan von den Schülern Jesu nichts mehr wissen; daher schickte Jesus diejenigen seiner Schüler, die im Lande bleiben wollten nicht zu Jochanaan, sondern zu Jakobus, der sie unter seine Fittiche nahm - nicht aus ideologischen Gründen, sondern aus Familienrücksichten und weil er selbst die Jerusalemer Priesterschaft mit der sich Jesus entscheidend überworfen hatte auch auf den Tod nicht leiden konnte. Sie lebten bis zum Ende der Bewegung des Jakobus (dann später) als "Abteilung Christentum" mit der "essenischen" Gemeinschaft und haben nicht wenig dazu beigetragen, dass Flavius Josephus diese als schiedlich - friedliche Leute beschrieb. In den Wirren um den Untergang Israels kam es dann zur entscheidenden Spaltung - die "echten" Jakobiten schlugen sich auf die Seite der Zeloten, während die "Abteilung Christentum" - damals wohl schon als eine solche - still und heimlich aufgab und im übrigen Volk aufgegangen ist.

Jesus war nicht der Einzige, aber er war der Weitschauendste, was die Perspektiven der Jahvereligion angeht. Er sah sie nämlich sowohl von innen als geborener Israelit als auch von außen als ordinierter ägyptischer Priester. Er hatte das Gefühl für sie im Blut und die Gegenstrophe dazu im Kopf und im Herzen. Er verbot die Ritualistik nicht ausdrücklich, sondern relativierte sie lediglich und sagte, was davon zu halten sei - so hatten es auch die ägyptischen Priester seinerzeit gehalten als sie die Religion vom einen Gott und die Philosophie von der einen Welt propagierten - sie ließen die religiösen Traditionen wie sie bestanden fortbestehen, ja entwickelten sie sogar weiter in Richtung auf ihre Einmündung in die Eingottreligion - sämtliche ägyptischen Mythologien gehen darauf aus, die Vielfalt in die Einheit des Einen einzubinden ohne diese selbst aufzulösen. Er machte nur kein Hehl daraus, dass weder Beschneidung, noch Fasten, Beten und Opfern das innere Leben um etwas Wesentliches bereicherten. "Wäre die Beschneidung nützlich, so würden die Knaben beschnitten aus ihren Müttern geboren", spottete er, fügte aber hinzu, und das ist wohl zu beachten: "die Beschneidung im Geiste, die hatte vollen Nutzen", denn: nicht zu wissen um die geistige Wirklichkeit, sich angewiesen zu glauben auf die materiellen Bedingungen ist der Motor, welcher den Menschen antreibt, nach Lebensalternativen zu suchen - deshalb verschwendete er auch keine Gedanken an messianische Erlösungsversuche oder Reinkarnation. Das Eine war unnötig, die Welt war so wie sie war tauglich zur Selbsterkenntnis, das andere war überflüssig, denn so wie der Mensch hier lebte, lebte er alles, was er je geworden war. So war es gut und richtig, dass der Mensch das alles vergaß, dass er "beschnitten" wurde, ehe er Mensch ward. Mensch aber sollte er voll und ganz sein, ohne sich dabei von irgendwelchen numinosen Kräften abhängig zu machen - aber auch ohne sich von den Strukturen und Phänomenen der Welt abhängig zu machen und drittens ohne sich biologistisch zu definieren - wehe der Seele, die vom Fleisch abhängt, so warnt er dringlich und mehrfach und Judas Thomas, damals sein Famulus und Meisterschüler, später selbst Meisterlehrer unzähliger Emissäre der Erkenntnislehre, hat das getreulich und mit scharfem Blick für das Wesentliche in Jesu Lehre überliefert.

Ein Seitenblick auf die heutige Esoterik zeigt, wie recht er damit hatte. Denn da reiben sich Menschen auf, Einblicke in etwas zu nehmen, was sie getrost fahren lassen könnten, da sie es ohnehin bei sich tragen. Da entziehen sich Menschen notwendige Dinge und werten die verzweifelte Gegenwehr ihres Körpers gegen den Nahrungsentzug als "Bewusstseinserweiterung". Da werden Leute gelehrt, ihrer Seele, ihrem Innersten dadurch näher zu kommen, dass sie diese Seele mit dem Leib verknüpfen indem sie den Leib durch Drogen vergiften und das Produkt dieser Vergiftung dann als Offenbarung feiern. Da wird das "Heil" in allerhand Dingen gesucht, die, hat man sie und gebraucht man sie, den Zugang zur Geistigkeit zuverlässig vermitteln sollen, als da sind: Klangschalen, Bachblüten, Qui- Gong - Kugeln, Tarotkarten, Pendel, Tonbandkassetten und CDs mit Meditationsmusiken und - sprüchen, Bücher die bestimmte Methoden anpreisen und - so viel Geheimnis wie es heute gegen bare Münze zu enträtseln gibt, gab es noch nie in der Welt. Und all das ist erst nur, was Jesus mit der Seele meinte, die vom Fleisch abhängt. Aber auch das Fleisch, das von der Seele abhängt fehlt nicht: man braucht sich nur anzuschauen, wie viele Menschen sich zu Sklaven eines angeblichen Karma degradieren lassen und einander gesellschaftlich degradieren nach dem besseren oder schlechteren Zugang zu dem, was sie Spiritualität nennen und ich Augenverdrehen. Wie viele Menschen lassen sich zu einer Art von unterwürfiger Liebe zwingen und erfahren sich indem sie das nicht vollbringen als Versager - dabei ist es nur in Wahrheit so, dass sie die ihnen gemäße Weise der Liebe nicht erfahren, sondern den Vorstellungen einer fremden Seele - des Guru - folgen. Wie vieler Menschen Seele wird in eine dem Fleisch des Gurus genehme Demutshaltung gezwungen und wie viele Starke und Hoffnungsvolle werden so für immer gebrochen?



Ein Volk, ein Gott oder was war wirklich los in Israel und der Welt ?

Nun, es ist nicht so, dass zu Jesu Zeiten dergleichen ganz unbekannt gewesen wäre - und der war ein genauer Beobachter seiner Zeit. Da waren die diversen Mysterienreligionen, deren zwei wenigstens er in Ägypten hatte kennenlernen können: Isis auf der einen und Serapis auf der anderen Seite, ägyptisierender Kitsch aus der touristischen Mottenkiste - es gab damals mehr Touristen als heute in Ägypten. Die römischen Legionen bis in die Offiziers- und Generalsränge pflegten unter sich die Mysterien des Mithras als sozusagen Ersatzdroge zur Steigerung der Kampfbereitschaft - zwar damals noch nicht in dem Umfang und mit der offiziellen Förderung wie rund zweihundert Jahre später, aber doch schon unter dem Deckmantel der allgemeinen Religionsfreiheit im römischen Reich verbreitet. Viele gebildete Griechen waren Eingeweihte der großen eleusinischen Mysterien, die einen universalen Naturkult propagierten und die Feier der Adonis - Atthis - Mysterien, ein dem Osiriskult verwandter Fruchtbarkeitskult aus Kleinasien, war eine schon beinahe öffentliche Angelegenheit vor allem der Frauen. Dann gab es noch die Mysterien der "Großen Mutter" nebenbei ein Männerkult, deren Repräsentanten sich selbst zu Frauen "umschufen" indem sie sich feierlich selbst kastrierten. Daneben existierten zahlreiche regelrechte Privatreligionen mit einem Riesenrepertoire an Riten und magischen Verrichtungen, die den heutigen esoterischen in nichts nachstanden. Das alle gab es in Judäa so gut wie überall auf der Welt, denn die Ansicht, ganz Judäa habe stets nur dem einen Gott gedient, ist eine fromme Legende. Vielmehr "kokelten", wie der "Spiegel" jüngst vermeldete, in der Tat "auf allen Berggipfeln die Opferfeuer" und für alle möglichen Götter. Das Judentum des "Am ha Arez" des "Mannes des Volkes" beschränkte sich auf die - nach Möglichkeit - eingehaltene Sabbatruhe, das wöchentliche Bad, die Pilgerfeste und einige markante Speisevorschriften, sowie den Ehevertrag und den Brauch Tote rasch und ohne Brimborium unter die Erde zu bringen - eine hygienische Notwendigkeit im zumeist warmen Klima Israels. Darüber hinaus lebten sie ihren eigenen religiösen und kulturellen Vorstellungen und wurden deshalb nach Kräften sowohl von den Priestern als auch von den Theologen verachtet.


Sanhedrin 43 a...

Nach der offiziöse Lesart war auch Jesus solch ein Am ha Arez, ein Mann, der weder Priester noch Schriftgelehrter war - aber eben Neffe des regierenden Königs und zudem dessen ideologisches "As im Ärmel". Es war daher an ihn so leicht nicht heran zu kommen. Andererseits war es aber sehr dringlich, gerade an ihn heran zu kommen, denn er war der Mann, den Orthodoxen die richtigen Schwierigkeiten zu machen. Gefährlicher für den Fortbestand des Judentums war niemand, auch der größte Hasser desselben nicht, als er. Aber es war nicht möglich, ihn vor der Öffentlichkeit zu desavouieren, es war auch nicht möglich, seine Lehre ins Wanken zu bringen, denn sie bewegte sich außerhalb des Zugriffs der Jahve - Religion. Jesus kam nicht in den Tempel, er zeigte dem Gesetz die kalte Schulter ohne es anzugreifen, er heilte Kranke, aber das konnte man ihm nicht ankreiden, das hätte nur die Priester selbst desavouiert, denn Mildtätigkeit und Barmherzigkeit, predigten sie, seien religiöse Kardinalforderungen, er ließ (wenn auch aus eigenen Gründen) auf den Sabbat nichts kommen und hielt seine Schüler an, ihn zu achten, und wenn er sich aus Speiseregeln nichts machte, so kam er aber auch nie zu einem Priester und wollte sich entsühnen lassen. Zudem war sein polemischer Ansatz: nicht das macht den Menschen unrein, was zu seinem Mund hinein, sondern was aus demselben hinaus geht - sehr peinlich gerade für die Theologen und Kultpriester. Zudem, predigten nicht ihre eigenen Großen gerade eine ganz ähnliche Linie? Waren nicht die Theologen selber gespalten in solche, die sich der Unentrinnbarkeit des Sündigens beugten und derhalb Erbarmen mit ihren Mitmenschen forderten und solchen, die das Gesetz durchsetzen wollten nach der Art losbrechender Stiere? (Jakob freilich gingen auch die nicht weit genug.) Hatte Philo, den sie zwar zumeist nicht allzu sehr mochten, mit dessen Reputation bei manchen Griechen sie sich aber des ungeachtet immer wieder gern schmückten, nicht die Türen zur griechischen Welt aufgestoßen und das Gesetz in der Welt der Antike zur öffentlichen Diskussion gestellt - es mag sein, dass sie die Existenz der LXX, der griechischen Bibel insgeheim dreimal am Tag verfluchten, aber in der öffentlichen Apologie blieb ihnen dennoch nichts anderes übrig, als sie ständig zu benutzen. War nicht das Judentum so und so dabei, seinen Charakter als Nationalreligion zu verlieren und sich in eine Universalreligion zu verwandeln, die notwendig andere Parameter kennen und beachten musste als einen Tempel und einen Jahve in Jerusalem als den einzigen Mittelpunkt des religiösen Lebens? Und während sie vor dem Augenblick der Verwandlung noch zögerten, kam dieser Jesus aus Ägypten und ergriff ihn, schmiedete den Monotheismus um zur universalen Lebenslehre, nahm ihm den religiösen Vollzug und gab ihm dafür einen existenziellen. Dazu hatte er auch noch die "Staatsmacht" im Rücken und über diese hinaus die imperiale Gewalt, also wirklich, gefährlicher als der war keiner und ausgerechnet an den langte nichts heran, denn er nahm sich die entscheidenden Dummheiten eben nicht heraus. Er ließ zwar hier und da eine zynische Bemerkung fallen, aber er eiferte nicht, er provozierte nicht, er rief nicht auf zum Tempelsturm und er motzte nicht gegen das Regiment. Aber die Zahl seiner Sympathisanten, und das wussten sogar noch die Gewährsleute des Proto - Markus, wuchs zusehends, denn: wer diesem Jesus zuhörte konnte sicher sein, dass er auch im zivilrechtlichen Sinn recht handelte und ebenso wenig verfolgt werden würde wie dieser Mann.


Simon Boethos und die Folgen..

Kurzum, als im Jahre -25 Simon Boethos, ein Mann aus einer mit Herodes eng befreundeten Jerusalemer Familie das Hohepriesteramt antrat, war die Lage für den Klerus mehr als verzweifelt. Mit Simon Boethos schien die ultimative Katastrophe heraufzuziehen, denn was konnte Herodes anderes vorhaben, als mit Hilfe dieses loyalen Hohenpriesters den Tempelkult nun endgültig auch administrativ zu erledigen oder zumindest ideologisch wie politisch aus und "gleichzuschalten". Die Priesterschaft war so schwach geworden, dass sie die Einsetzung des Boethos hatte widerspruchslos hinnehmen müssen, nun blieb ihnen nur noch das Zittern und die Pharisäer fürchteten von dem neuen Mann ebenfalls das Schlimmste, nämlich totale Vernachlässigung.

Aber Simon Boethos war nicht, wofür ihn alle hielten. Nicht dass er fromm gewesen wäre oder insgeheim oppositionell gegen Herodes - aber er war ehrgeizig und wollte sich profilieren. So waren die ersten Signale, die er den Priestern gab ganz anderer Art als diese erwartet hatten: nicht herrschen wolle er über sie, sondern ihr erster Gefährte, ihr "Mund" gegenüber dem König wolle er sein. Sicher habe er auch die Interessen des Königs zu vertreten, aber er wolle das nicht auf Kosten ihrer Interessen tun. Und die Paruschim - denen würde er, sofern sie ihn in Frieden ließen, nicht hineinreden. Zum Thema Jesus äußerte er sich nicht dezidiert, er würde die Angelegenheit prüfen. Herodes mochte mit dieser Haltung nicht zufrieden gewesen sein, aber er konnte den Mann nicht mehr absetzen ohne den Klerus gefährlich gegen sich aufzubringen. Immerhin hatten die Kerle Geld genug, einen schlagkräftigen Mob für einen Bürgerkrieg zu bezahlen und Verbindungen genug, diesen im ganzen Land zu organisieren. Er hielt also still und ermahnte auch Jesus zur Vorsicht. Mal sehen, wann Boethos sich eine Blöße geben würde...

Herodes, so sehr er im eigenen Haus ein Despot war, war dies doch im Hinblick auf das Schicksal seines Reiches keineswegs. Da wusste er zu taktieren und diplomatische Kanäle zu nutzen. Er griff also zum "Teile und Herrsche" und suchte die Paruschim, denen er sonst nicht eben gnädig war, auf seine Seite zu ziehen. Die hatten seit je eine Abneigung gegen die hochnäsigen Pragmatiker im Tempel, die ihre Fahnen immer möglichst nach dem Winde hingen und das auch auf den Umgang mit dem Gesetz ausdehnten und denen im Grunde an nichts anderem gelegen war als ihre wirtschaftliche Macht zu erhalten und zu festigen. Er ging sogar so weit, einen pharisäischen Beraterstab zusammen zu rufen indem er zugestand, doch etwas zu leichtfertig sich über die Belange der Religion hinweg gesetzt zu haben. Das ging freilich nicht besonders gut, denn die Herren begannen sich in die Regierungsgeschäfte einzumischen und wurden sehr grantig, wenn man ihnen das verwies - sie gerieten auch öfters aneinander, denn von Einigkeit in der Lehre, sah Herodes, konnte man allenfalls von ferne sprechen, aus der Nähe dominierten Zank und Streit. Es war, das sah Herodes bald, ein ziemlich heilloser Haufen, der sich da gefunden hatte - und er hatte schon nur die mit den besten Referenzen genommen.

Jesus rieb sich, wie zu erwarten war, weidlich an dem neuen Beirat. Aber Herodes ließ es zu Jesu Leidwesen zu großen Konfrontationen nicht kommen und so zog er sich zurück und beschäftigte sich mit seinen eigenen Angelegenheiten, von denen Herodes seine Paruschim nun wieder fern hielt. Er erklärte dem Neffen, was er beabsichtigte, und sehr wahrscheinlich erhielt er dessen Verständnis, wenn schon nicht dessen Zustimmung. Die Paruschim aber machten die Erfahrung, dass der böse Herodes eigentlich gar nicht so entsetzlich böse war und ihr Zusammenhalt mit den Priestern schwächte sich entsprechend.

So war die Lage, als Jesus und Simon Boethos zusammentrafen - dass das geschah war weder auszuschließen noch besonders zwangsläufig, es geschah einfach, da der Hohepriester und der König nicht umhin kamen einander zu sehen. Herodes wird dem Boethos sicherlich Vorwürfe gemacht, und der wird nicht stillgehalten haben, denn das hatte er nicht nötig. Hinter ihm stand schließlich der gesamte Adel Judäas, nicht nur Jerusalems.

Möglicherweise war Jesus Zeuge solcher Auseinandersetzungen und beschloss, sie auf seine Weise zu beenden - indem er nämlich den Boethos in gewisse Interna seiner Lehre einweihte. Er mag geglaubt haben, dass Einsicht den Ehrgeizigen auf seine Seite bringen konnte, aber da hatte er sich verrechnet. Boethos war kein Philosoph, er war ein Karrierist, nichts weiter. Er hörte sich an, was Jesus zu sagen hatte, und gab ihm zu verstehen, dass ihn das nicht interessiere. Je mehr Jesus in ihn drang, seine innersten Empfindungen zu wecken suchte, um so mehr sperrte er sich gegen ihn - was zuletzt bewirkte, dass die beiden sich aus dem Wege gingen. Zwar wagte Boethos nicht, bei Herodes des Neffen wegen Klage zu führen, der hätte ihn deshalb nur verspottet, aber er erwies sich auch dem König gegenüber als immer unzugänglicher und hetzte seine Priester auf, dass es seine Art hatte, verschanzte sich regelrecht in seinem Tempel und pfiff auf das Grollen des Königs, denn er wusste: gegen ihn bekam der seine römischen Freunde nicht in die Hufe. Über einige Legionärspöbeleien beschloss er hinwegzusehen und genoss es, dass es Herodes nicht gelang, das Bein an ihm zu heben und ihn gehörig anzupinkeln. Dass er es sich dabei auch mit seiner Familie verscherzte war ihm rechtschaffen gleichgültig, denn die hielt weiterhin als aufgeklärte Hellenisten zu Herodes, während Boethos zwar seiner Bildung nach durchaus Hellenist, seiner offiziellen Orientierung nach aber längst Orthodoxer war - der aber nach wie vor eigentlich an nichts glaubte als an seine politischen Möglichkeiten und die Tatsache, dass er Herodes tatsächlich gewachsen war.

Dann aber, zum Passah des Jahres -22 geschah etwas Unvorhersehbares. Jesus, der nie zuvor den Tempel auch nur im Vorhof betreten hatte, erschien plötzlich in der Schar der Festpilger - unmöglich, ihm, dem weithin Bekannten, den Eintritt zu versagen. Er ließ seine Schüler - ausnahmslos Juden von Geburt - im Vorhof der Juden zurück und betrat das eigentliche Tempelhaus, wozu seine königliche Herkunft, das Quäntchen Hasmonäerblut in seinen Adern von der Urgroßmutter her ihm ein unverbrüchliches Recht verlieh, denn die Hasmonäer waren eine Priesteradelsfamilie gewesen. Die Priester ließen ihn gewähren. Aber sie schickten zu Boethos, der sich unverzüglich einfand, um seines Amtes zu walten und den Frechen zu disziplinieren. Der aber ließ sich nicht nur nicht kleinkriegen - der Einsatz der Tempelpolizei war in diesen Räumen leider unmöglich, auch der Gebrauch von aller Art von Waffen und jedwedes Blutvergießen - sondern konfrontierte den Boethos auch mit allerhand Dingen, die außer einem Hohenpriester niemanden etwas angingen. Boethos sah, was er zu glauben nie gewagt hatte, aber so ehrgeizig er war, so ignorant war er auch und sämtliche ägyptischen Priesterkünste verschlugen ebenso wenig wie aller Gebrauch spiritueller Kraft. Boethos nahm es zur Kenntnis, fühlte es auch durchaus - aber war nicht geneigt, sich dadurch davon überzeugen zu lassen, dass hier etwas stand, was sich seiner Kompetenz entzog, und dem er zu gehorchen hätte - eigentlich ein mutiger Mann, dieser Boethos, der da noch angesichts der Wahrheit sein Ego verteidigte. Wie immer Jesus sich als Meister zeigte - Boethos sah alles und glaubte - gar nichts. Seine stereotype Entgegnung war, wann er, Jesus, endlich mit dem Blendwerk aufzuhören gedächte - auch dann noch als ihm das "Blendwerk" schon fast die Gedärme aus dem Leib zerrte. Jesus tat ihm den Gefallen und beendete das "Blendwerk" der spirituellen Verifizierungen. Er nahm statt dessen den Vorhang beiseite und betrat das Allerheiligste, schaute sich aufmerksam darin um und zuckte die Achseln. Dann, als er sich eben anschickte, es zu verlassen, leuchtete es darin auf wie von tausend Blitzen, ein kaltes Licht verbreitete sich im Tempel und ein nervenzerreißendes Knistern und Knirschen war der einzige Laut, der zu hören war. Boethos erstarrte und Jesus verließ, den Erstarrten zurücklassend, geruhsam den Tempel und seine Anlagen, sammelte unterwegs seine Schüler ein und begab sich in des Herodes Haus.


Bawa Batra 4,3

In seinem Rücken aber brach das Chaos aus. Es war, man bedenke, Passahzeit, der Kult war in vollem Gange, die Stadt und der Tempel waren gestopft voll mit Pilgern und Frommen, die alle ihre Lämmer zum Schlachten für das Passahmahl brachten und wieder mitnahmen, um irgendwo in der Stadt ihr Festmahl zu halten - außerhalb von Jerusalem war der Lammbraten nämlich verboten. Niemand von denen durfte auch nur das Geringste von dem mitbekommen, was sich ereignet hatte. Nicht einmal die niederen Klassen der Priester durften etwas mitbekommen, sondern allenfalls die Mitglieder des "Hohen Rates", nicht einmal dem Kollegium der Siebzig konnte man reinen Wein einschenken, so blamabel und skandalös war, was sich dann herausstellte. Aber erst einmal musste es sich herausstellen, und das war nicht einfach, denn: nur am Versöhnungstage hatte der Hohepriester das Recht, das Allerheiligste zu betreten, an allen anderen Tagen war es auch für ihn tabu. Es bedurfte also erst langer Debatten und gelehrter Erörterungen ehe man überein kam, es läge in diesem Falle ein Ausnahmeerfordernis vor und einer MÜSSE nachsehen. Es gab intensive Gebete zu Jahve und endlich raffte Boethos, dem vor allen auch zukam, den eventuellen Zorn Jahves auf sich zu ziehen ungern, wie man sich denken kann, sich auf und schob den - völlig intakten - Vorhang weg ohne den Raum zu betreten. Was er und seine Zeugen zu sehen bekamen war absolut niederschmetternd. Wo bisher die Lade, das kostbare Stammesheiligtum, gestanden hatte, das seit den Tagen Samuels alle Wirren und Fährnisse nahezu heil überstanden und in dessen Bauch die Urschrift des Dekalogs, das Herzstück des Judentums samt dem Priesterstab des sagenhaften ersten Hohenpriesters Aaron bewahrt wurde, war fort. Die Wände, einst kostbar verkleidet waren kahl und wie versengt, die Cherubim, ebenfalls uralte Menhire aus der Nomadenzeit, gab es nicht mehr, sie hatten sich einfach mit in jenen feinen Staub aufgelöst, der den Boden bedeckte. Draußen, vor dem Vorhang, lagen noch die vorderen Knäufe der beiden Stangen an denen die Lade einst getragen worden war und die ins Heiligste seit je hineinragten - beruhigendes Zeichen dafür, dass die Lade noch wohl bewahrt und instand war und Israels Gott anwesend in seinem Heiligtum. Nun war da nichts mehr - es hatte keinen Brand gegeben und keinen Lärm, Jahve war weder zornig gen Himmel gefahren noch hatte er Jesus töten können wie doch geschrieben stand er werde denjenigen, der die Lade berührt, vernichten. Der Blitz hatte nicht den Übeltäter getroffen, er hatte die Lade getroffen und das unleugbar auf Befehl des Übeltäters, der damit wohl offenbart hatte, was und wer er war - aber das durfte nicht nur niemand erfahren, das durfte auch nicht auf Erden belassen werden, so war die einhellige Meinung der versammelten Geheimnisträger. Denn wenn das den Priestern dreinredete konnten sie sich ihre Chancen zu bestehen selber ausrechnen. Jesus, über den man nun bescheid wusste, musste weg und das umgehend. Immerhin wusste man, wo er zu finden sei.

Bei Herodes stieß das Ansinnen der Priester sofort diesen Jesus herauszurücken auf taube Ohren. Was der denn verbrochen habe - das nun konnten die Abgesandten nicht sagen, also blieb es beim Nein. Indessen versammelte Jesus seine Vertrauten um sich und eröffnete ihnen, dass es ernsthafte Schwierigkeiten mit Boethos gegeben habe und seine wie ihre Zukunft nunmehr ganz ungewiss sei. Die Bestürzung kann man sich vorstellen - es war doch mit dem Ausflug in den Tempel alles ganz ruhig gegangen? Oder etwa doch nicht? Hatte Jesus den Boethos am Ende umgebracht? Nein, obgleich ihm manchmal danach gewesen sei - Boethos sei am Leben und werde wohl an Altersschwäche dereinst sanft entschlafen, wenn ihm nicht noch ein Dachziegel auf den Kopf fallen sollte - Jesus war reichlich zynisch gestimmt, als er den Judas Thomas beiseite nahm und ihm als einzigem die Situation erklärte - woraufhin dieser erbleichte, denn was das bedeutete, konnte er wohl ermessen. Die Schuld war unnennbar, sie war letzthin auch unbeweisbar, es war genau genommen nicht einmal ein Religionsfrevel, denn Jesus hatte nachweislich nicht Hand an das Heiligtum gelegt. Er hatte seine Berechtigung, in das Allerheiligste zu treten und dort nach seinem Belieben zu handeln, nachdrücklich klargemacht, dennoch blieb der unnennbare Skandal und die Priesterschaft würde nicht ruhen, bis sie Jesus zur Strecke gebracht hätten. Von einer Stunde zur andern war Jesus zum bestgehassten Mann der jüdischen Geschichte geworden. Man musste den Tatsachen ins Auge sehen, Vorwürfe und "Hättest du doch" waren müßig. Thomas eröffnete den Anderen, dass wohl keine Alternative dazu bleiben würde als dass Jesus das Land verließe mit unbekanntem Ziel, möglichst an einen Ort zu gelangen, an dem keine Juden lebten und wo sie so leicht auch nicht hingelangen würden und "nun fragt mich bitte nicht, warum". Es fragte wohl niemand, obgleich den meisten nicht klar war, was geschehen sei - des Judas tiefbesorgte Miene war wohl Glaubwürdigkeit genug. Sogar Simon, sonst der Bohrendsten einer, schwieg.

Getreu dem Grundsatz: alles verloren, was machen wir als Nächstes? wurde beratschlagt, was im Einzelnen zu tun sei und der ebenfalls besorgte Herodes wurde in die Beratungen einbezogen. Der seinerseits, oft genug in ausweglosen Situationen, wusste Rat, aber er gedachte, diesen Rat einem andern in die Schuhe zu schieben: seinem pharisäischen Beirat. Gegebenenfalls konnte man den dann gegen die Priesterschaft ausspielen. Das Protokoll dieses Gespräches ist uns, wenn auch vielfach verschlüsselt, in einem rabbinischen Traditionsstück des Talmud erhalten geblieben, und zwar in Bawa batra 4, 3. Man braucht beinahe detektivisches Gespür, um aus diesem Wirrwarr ein aussagekräftiges Stück zu machen, aber das ist und war wohl beabsichtigt, denn einesteils musste man alles verschweigen, andernteils musste man aber wenigstens eine schmale Fährte hinterlassen, denn sonst war die Wahrheit über Jesus auf ewig verschollen und irgendwann würde sich jemand Gedanken darüber machen, warum man einen doch eigentlich sehr sympathischen Menschen denn so hasste und womöglich damit aufhören.

Da stehen also Herodes und der Sprecher des Pharisäerrates einander gegenüber und tasten sich zunächst mal eine Weile mit Worten ab, denn so recht weiß keiner, worum es eigentlich geht, nur darum: die Priesterschaft ist erzsauer auf Jesus. Die Sache ist für beide heikel, der Pharisäer darf es sich weder mit seinem König noch mit dem Tempel verderben und Herodes wirbt um sein Vertrauen, der Tatsache eingedenk, dass dieser Mensch ihn eigentlich fürchtet und hasst. Und der Pharisäer macht einen Vorschlag: lass ihn reisen bis Gras über die Sache gewachsen ist. Weder Herodes noch der Pharisäer wissen: es wird nie Gras über diese Sache wachsen. Und was soll ich mit den Priestern machen, fragt Herodes. Mach ihnen ein tolles Geschenk, rät der Pharisäer, sie werden sich sträuben, aber endlich werden sie zufrieden sein. Beide wissen nicht, dass die Priester mit nichts zufrieden sein werden, und das Urteil über Herodes wie über Jesus nunmehr unumstößlich ist. Werden die Priester das Geschenk aber annehmen? Hier ist die Antwort der Priesterschaft übermittelt, blanke Resignation: wenn die Großen bauen wollen, kann man sie sowieso nicht aufhalten. Wenn Herodes uns einen neuen Tempel bauen will, so werden wir nicht umhin kommen, ihn zu lassen - auch wenn man das, was geschehen ist, nie mehr gutmachen kann. Eine Reihe von Empfehlungsschreiben wird aufgesetzt, wohl auch einige Anweisungen, dann wird eine römische Eskorte erbeten, die den Neffen und wer immer mit ihm kommen will, nach Joppe begleiten soll, wo man ihn auf ein gutes, schnelles Schiff setze und ab mit ihm in alle sieben Winde... und wo sollen die andern hin, fragen sie.


Schadensbegrenzung

Judas soll nach Ägypten, die traurige Nachricht zu überbringen, dass das Experiment gescheitert ist. Er wird dort bleiben und sehen, wie er nun allein für die Lehre einstehen kann, wie er gerissene Verbindungen neu knüpfen und die alten erhalten kann. Wer mit ihm ging und ob jemand mit ihm ging, wissen wir nicht . Warum Judas Thomas? Weil er der Einzige war, der außer Jesus eine Ordination hatte und mit den ägyptischen Priestern auf gleicher Augenhöhe sprechen konnte. Miriam, seine Schwester, Jesu beste Freundin und Gefährtin kam mit auf die Reise, desgleichen Simon, der sich von seinem geliebten Lehrer wohl nicht losreißen konnte, und mit ihnen kamen noch etliche Frauen und Männer, darunter Jesu derzeitige Geliebte. Wer bleiben wollte, dem empfahl Jesus zu Jakob zu gehen, dem ausgeflippten Bruder, den er zwar nicht recht mochte, aber doch für entwicklungsfähig hielt - ein schwerer Irrtum zwar, aber glücklicherweise einer ohne schwerwiegende Folgen. Dass die Kreuzigungslegende sie in der Wüste nahezu schutzlos und wehrlos ereilen und von Erkenntnissuchenden zu jüdischen "Christen" machen würde, konnte noch niemand ahnen. Als aber die Priester wiederum anrückten, fanden sie das Nest leer und Herodes zuckte die Achseln . er sei ihnen keine Rechenschaft schuldig, zumal sie ja auch nicht zu sagen wüssten, was sie Jesus vorwürfen. Aber was auch immer es gewesen sei, da es sich um seinen Neffen handele, fühle er sich mit verantwortlich und werde, da sie von Religionsfrevel und Entweihung redeten, ihren Tempel von Grund auf neu errichten - nötig habe der das ja auf alle Fälle. So endete die große Konfrontation noch einigermaßen friedlich. Boethos allerdings musste erst einmal ebenfalls verschwinden - später setzte Herodes ihn wieder ein. Erst im Jahre - 5, ein Jahr vor dem Tod des Herodes, gab er das Amt endgültig auf. Das war nötig, damit klargestellt blieb, wer der Herr im Haus sei - und Boethos sperrte sich auch allzu sehr gegen den angebotenen Sühnebau. Des pharisäischen Beirates entledigte sich Herodes nach der altbewährten Weise, damit es keine Zeugen für eine eventuelle Mittäterschaft des Königs gäbe. Vorwand war, die Paruschim mischten sich zu sehr in des Königs Familienangelegenheiten - und zu einem gewissen Teil stimmte das gehässigerweise ja auch. Nur einen, der sich an der Sache nicht beteiligt hatte, ließ er am Leben - blendete ihn aber, was ihn zu einer weiteren Karriere untüchtig machte und hielt ihn sozusagen als Hofnarren.

Das Leben ging weiter - auch für die Priesterschaft. Der Fall wurde ohne weitere Ausführungen zu machen dem Sanhedrin übergeben, und dieser beschloss die Hinrichtung in effigie - durch Steinigung wie es sich gehörte. Danach wurde der Fall als abgeschlossen betrachtet, aber nur offiziell - inoffiziell suchte die Judenheit im ganzen Imperium nach diesem Mann, der das Grauenvollste getan haben sollte, das man dem Judentum antun konnte: seinen Tempel geschändet, ja versucht, ihn zu zerstören. Offiziell wurden die Dinge archivarisch eingerenkt. Mit hochheiliger Ermächtigung und unter strengstem Stillschweigen wurde jener kleine Hinweis in die Chronik praktiziert, nach dem die Bundeslade bereits in den Wirren der babylonischen Eroberung in Flammen aufgegangen sei. Damit war allen Eventualitäten Genüge getan und niemand würde mehr verfängliche Fragen stellen - man stellt sie jedoch bis heute, die Spekulation um den Verbleib der Lade ist nie verstummt, eben WEIL dieser lapidare Hinweis so montiert aussieht. Der Verlust der Lade wäre doch der esrahitischen Kultreform sicher einen Trauertag wert gewesen, wenn sogar das Ölwunder von Chanukka später eine ganze Woche wert war, und das beruht doch nun nachweislich auf einer Legende. Nichts dergleichen - Schweigen und ein lapidarer Satz. Im Allerheiligsten befand sich nun ganz offiziell: nichts. Nur die "Schekina" die unsichtbare Gegenwart Jahves sollte darin wohnen - gut, das konnte niemand nachprüfen, aber es genügte, das Tabu aufrecht zu erhalten, dass wenigstens nicht alle die verkohlten Wände sähen und den ausgebrannten Fußboden, den man natürlich nicht erneuerte - der neue Tempel wurde was das Allerheiligste betraf, um den alten Raum herumgebaut. Alles andere gab es neu - dies blieb als Mahnmal. Der herodianische Tempel wurde ein architektonisches wie ingenieurtechnisches Meisterwerk, stand würdig neben Bauwundern wie dem Artemistempel in Ephesus, dem Altar von Pergamon, dem Serapeion in Alexandria, dem römischen Ensemble des Augustus, der Akropolis von Athen und vieler anderer Wunderwerke antiker Baukunst in dieser Zeit. Aber er verkleidete mit seinem Prachtgewand die ultimative Katastrophe der jüdischen Religion, die von da an eine Religion war, deren Gott abhanden kam, verbrannt werden konnte in einem nicht mehr irdischen Feuer.

Es hat den Priestern in Jerusalem nicht eben schlecht gefallen, als um das Jahr 50 herum eine Geschichte aufkam, in der minutiös beschrieben wurde, wie Jesus, der Sohn des Joseph, zu Tode kam. Zwar stimmte an der Sache von vorn bis hinten kein Wort, aber der Kontext war ebenso verlässlich wie irreführend: Pilatus hatte es gegeben, Chananja und Kajaphas hatten gelebt, Herodes Antipas war Tetrarch von Galiläa und Peräa gewesen. Pontius Pilatus hatte mehr Messiasse als Aufrührer gegen Rom kreuzigen lassen als alle Ethnarchen und Prokuratoren zuvor und war überdies ein übler Kunde gewesen, ein Günstling des Schweins Sejan, des allmächtigen Prätorianerchefs des Kaisers Tiberius. Damit war für die Priester die Akte Jesus ein für allemal geschlossen, als die eines falschen Messias, Aufrührers und hingerichteten Verbrechers, was ihr Gesicht rettete; denn des wirklichen Jesus waren sie nicht mehr habhaft geworden. Den möglichen Anhängern des Jesus erzählten sie Schauergeschichten, die mitunter sogar ein Nachhall der Wirklichkeit waren, wenn es nämlich darum ging, dass Jesus Tote auferweckt habe - er hat zumindest einen Menschen durch die Unterweltsfahrt geschickt, was aussieht wie ein Tod und eine Erweckung vom Tod, und zwar Judas Thomas, dessen Beiname "Zwilling" aus dieser Geschichte ebenso herrührt wie sein anderer Beiname "Lazarus" , "der Eingeweihte". Durch die vollendete Fahrt war Judas als Lehrer "geworden wie er". Jesus. Er war nicht mehr Schüler, sondern Meister neben und anstelle Jesu, und wie er diese Aufgabe gemeistert hat, davon berichtet die Geschichte der Gnosis insgesamt. Man machte die Lebensgeschichte dieses Jesus ein wenig herunter, wobei manch Erinnerung half, so die an das recht zweifelhafte Leben seiner Mutter, die ihrem Joseph wohl nicht immer so ganz die Treue gehalten hat, aber nach seinem Tod ein Muster von trauernder Witwe sein wollte, damit ihr Herodes nicht das Witwengut entzog. Jesus hatte das ganz und gar nicht gepasst und er hatte dieser Mutter seine Meinung offen gesagt, was zum dauernden Zerwürfnis zwischen ihnen führte. Davon wiederum hatte auch unser Proto - Markus etwas läuten hören und die ihm in der Tradition des "Jesus Christus" folgten, vertieften diese Angelegenheit noch und schmückten sie aus - die arme Mutter, die dem Sohn folgt, obgleich er sie von sich stößt - so glaubenssicher ist sie, die Heilige, die Reine - die endlos Gelackmeierte in Wahrheit und Selbstquälerin, wenn man den biblischen Geschichten glauben will, allerdings und gottseidank muss man das nicht.


Die große Reise

Wie ging es aber in Wahrheit weiter? Denn es ging noch eine Weile weiter mit der Geschichte des Jesus, Sohn des Joseph. Zu Schiff ging es weiter, über Zypern und Rhodos, dann an der afrikanischen Küste entlang in Richtung auf die Säulen des Herakles. So verging, mit mehreren Aufenthalten, der Sommer und einer der ersten Herbststürme warf das Schiff bei Malta an den Strand - dort verging der Winter unter nicht ganz komfortablen, aber noch erträglichen Umständen, und man beschloss einige Umdisponierungen. Ein Schiff, das die iberische Halbinsel ansteuerte, war nicht verfügbar, so kam man nicht umhin, Italien zu besuchen. Im Frühjahr des Jahres -22 war die Truppe in Neapel, von dort ging es auf der altberühmten Via Appia in bequemer Fourage - finanziert mit des Onkels Kredit - nach Rom - mit diversen Aufenthalten, darunter in Pompeji, wo es gelang, eine kleine Gemeinschaft zusammen zu fügen, die bis zur Zerstörung der Stadt im Jahre 79 bestand und sich wahrscheinlich um die später so genannte Villa dei Misteri sammelte. In Rom hat sich Jesus wahrscheinlich sogar längere Zeit aufgehalten - in einem Haus außerhalb der damaligen Stadtgrenzen, aber nahe genug, um die Stadt gründlich kennen zu lernen. Wir wissen nicht, ob das Haus, das Jesus bewohnte, ihm oder seinem Onkel gehörte, aber wahrscheinlich ist beides - der Neffe des Herodes, eines auch nach römischen Maßstäben reichen Mannes ist sicher kein bettelarmer Mann gewesen. Die Vergötterung der Armut kam erst später in die jesuanische Lehre - im Thomasevangelium ist noch nicht davon die Rede, dass der "Christ" sein Hab und Gut den Armen zu geben habe; hier liest man nur davon, dass er sich innerlich nicht davon abhängig machen solle. Nicht umsonst spielt Jesus bei seiner auch in dieser Schrift überlieferten Rede vor den Toren Jerusalems darauf an, ob die Versammelten gekommen wären, einen reichen Mann zu sehen. Dass Herodes aber ein Haus in oder in der Nähe von Rom besessen hat, ist belegt. In diesem Hause sammelte er nicht nur über Jahre eine Gemeinschaft um sich, mit der er den Kern der bis zum Ende des Reiches existenten römischen Schule legte (Valentinus ist aus ihr hervorgegangen, aber auch Markion sammelte in ihr seine Erfahrungen mit der Lehre der Erkenntnis und Marcus Aurelius erkor sie dann zu seiner Lieblingsschule), sondern sorgte dafür, dass diese Schule auch entsprechende Räumlichkeiten erhielt, darunter einen unterirdischen Raum für die Durchführung von Unterweltsfahrten sprich Ordinationen nach ägyptischem Ritus, freilich aus Gründen des guten Tons (Ägyptisches war damals in Rom nicht so wohl angeschrieben) in der Bilderwelt der griechischen Mythologie ausgestaltet und architektonisch wohl eher einfach - so viel Zeit und Geld, eine ausgeklügelte Anlage zu hinterlassen wird er doch nicht gehabt oder für diesen Zweck nicht bekommen haben, wer weiß. Der Ordinationsraum der Anlage jedenfalls ist erhalten, auch wenn diese selbst endlich der Entwicklung der Stadt zum Opfer gefallen ist. Möglicherweise wurde sie bereits von den ersten Christen spätestens unter Theodosius geschleift, die alles, was "Gnostiker" erbaut und geschrieben, gemalt und komponiert hatten vernichteten. Die Schule indes bestand weiter - sie ging wie die meisten in den Untergrund und ihre Existenz taucht auf an den versteckten "Ankh" -Zeichen in den umliegenden und den alten römischen Kirchen - hier eine Sandalenschleife, dort ein verschwiegenes Ornament an einem Kapitell, oder ein seltsame Formung in einem Mosaik wie in Santa Sabina. Alle diese Zeichen sagen: wir sind hier. Wir leben.

Möglicherweise war Simon, als Jesus dann doch weiterziehen musste, zum ersten Leiter der Schule bestimmt worden und stammt die später von den Christen reklamierte Petrus - Tradition just aus diesem Ereignis her. Ja, Petrus war in der Tat in Rom, aber nicht um sich dort kreuzigen zu lassen, sondern - Petrus, Felsklotz, war der Spitzname des Schülers - um dort die Interessen der Lehre zu vertreten; später ging er nach Palästina zurück, nahm Wohnsitz in Sebaste in Samaria und wurde der aus der christlichen Apostelgeschichte bekannte und den christlichen Aposteln schwer verhasste Simon der Große, den sie Simon den Magier nannten. Sein Denken ging nicht allzu weit über das hinaus, was er mit seinen jüdischen Maßstäben vereinen konnte, die gedankliche und wesensmäßige Kühnheit des Judas Thomas fehlte ihm - aber er war, in seinen Grenzen, ein getreuer Sachwalter seines Freundes und Lehrers Jesus. Sein, Simons Bestreben war es, dem jüdischen Volk trotz des Desasters den Zugang zur Lehre Jesu zu erhalten und das hat er weidlich und redlich über Jahrzehnte versucht. Dazu hat er sich auch mit den Emissären der neuen Religion zu verständigen versucht, dazu hat er seine Getreuen in Samaria angehalten - die Samariamission war eine der erfolgreichsten Unternehmungen der neuen Strömung. Das spürt man bis in die sichtliche Aufwertung der Samaritaner bei Johannes und Lukas hinein, während der jüdisch konservative Matthäustext sich hier seltsam bedeckt hält ja sogar sich dezidiert ablehnend verhält: geht nicht auf der Samaritaner Straße. Insbesondere bei Lukas wird zugestanden wie Samaria eine ganz eigenständige Jesus - Tradition hat; nur zu verständlich, wenn man bedenkt, dass auch Herodes viel von den Samaritanern hielt und sie schon aus Gnatz gegen die Juden in jeder Hinsicht präferierte. Da wird auch der Neffe wohl im Kielwasser gesegelt sein und davon wiederum hat Simon dann profitieren können - natürlich auch von der eingefleischten Rivalität der beiden Nationen um den "richtigen" Jahve - Kult. Ihr Heiligtum auf dem Garizim jedenfalls war nicht "entwertet" worden. Sollte doch irgend etwas einst von den Vorfällen in Jerusalem "durchgesickert" sein, so wäre verständlich, warum die Samaritaner hinfort etwas auf die Israeliten herabgesehen haben, was diese natürlich vergalten, aber wovon eben etwas auch noch sehr viel später vielen erinnerlich war, als Jerusalem längst in Schutt und Asche lag. Bedenken wir: die Evangelien sind sämtlich erst - den Proto - Markus ausgenommen - zu einer Zeit entstanden, da Israel bereits seine wie auch immer geartete Staatlichkeit verloren hatte. Sie wollen zumeist sogar eine Begründung hierfür liefern: die Strafe dafür, dass die Juden den richtigen Messias nicht erkannten - indessen wenn es eine Strafe gibt, dann nur die für vermessensten politischen Hochmut und den größten Irrglauben der alten Welt. Aber diese Strafe ward von keinem Gott verhängt, sondern, wie Brecht sagt: Unglück kommt von mangelhaften Berechnungen. Indes, wie hätten sie richtig sein sollen, wenn durch Jahrhunderte alle Prämissen falsch gewesen sind?

Wir sehen: wo immer wir anpacken in dieser Geschichte, wir landen bei einer Totalvision. Immer sind die Wege zum Gesamttableau der antiken Geschichte bemerkenswert kurz. Gleich um die Ecke lauern bedeutsame Ereignisse und das Leben Jesu ist bis zum hauchdünnen Vorbeistreifen in diese eingebunden - noch und gerade über seine Lebenszeit hinaus. Aber - wie ging dieses Leben selbst weiter? Die römische Schule zu begründen begründete leider kein Bleiberecht für den im ganzen Imperium als Vogelfreien gesuchten. Zwar behelligten die Römer ihn nicht nur nicht, sondern halfen ihm auch weiter - aber letztenendes konnten sie ihm nur in eine Gegend helfen, wo sie gerade nichts mehr zu sagen hatten und er völlig auf sich allein gestellt sein würde. So wurde ein Schiff gechartert, das in Richtung Spanien ging - an der tyrrhenischen Küste entlang, Massilia, das heutige Marseille und Tor nach Gallien, die alte griechische Kolonie berührend, dann an der spanischen Küste entlang würde man segeln, um die Säulen des Herakles herum, die portugiesische Küste entlang und durch die Biskaya um Gallien dann über den Kanal nach Londinium, einem gerade erst gegründeten Handelsstützpunkt mit Garnison auf der britischen Insel. Hier war der letzte städtische Vorposten der römischen Zivilisation, das noch nördlichere Ebioracum, das heutige York bekam seine Bedeutung erst zur Zeit Hadrians - in diesem Moment war es nicht viel mehr als ein weit vorgeschobenes Castrum, ein Heerlager. Aber man würde noch über Ebioracum hinaus gehen müssen, weit nach Norden, in das unwegsame Gebiet der Pikten und Scoten, vielleicht gar noch einmal über See, aber dann nicht mehr in den bequemen römischen Reiseschiffen, sondern im schwankenden offenen Kahn der nordkeltischen Stämme. Nur hier, an der Grenze der bekannten Welt fühlte Jesus und fühlten viele der Seinen sich sicher vor Verfolgung und Fememord.

Miriam, der Gefährtin Jesu, war das alles zuviel. Sie hing an der Zivilisation und als in Massilia klar wurde, dass man nicht den Weg durch Gallien nach Germanien nehmen würde, das von des Drusus Truppen gerade für Augustus erobert wurde, sondern sich zu den wilden Briten durchzuschlagen gedachte, riss ihr die Geduld. Es fiel ihr schwer, von Jesus Abschied zu nehmen, aber sie gedachte auch nicht, ihr Leben ob dieser Trennung in Trauer zu verbringen. Auch sie war schließlich tauglich, die Lehre der Erkenntnis weiter zu geben und Gallien war einen Versuch ebenso wert wie Zypern, Afrika, Ägypten oder Italien es gewesen waren. Miriam, die Schwester des Judas, genoss in der Gemeinschaft sehr zum eifersüchtigen Ärger des Simon seit jeher hohes Ansehen. Sie war in ihrer ersten Jugend beinahe mit Jesus verheiratet worden, einige behaupteten, sie wäre es tatsächlich und in der Tat waren die Geschehnisse in Nazareth einigermaßen verwirrend. Aber ein Liebespaar waren sie nie gewesen, so gute und nahe Kameraden sie auch wurden. Sie liebten einander auf eine andere, Außenstehenden schwer zugängliche, aber unverbrüchliche Weise von dem her, was sie jeweils im spirituellen Raum repräsentierten. Sie lebten eine Gemeinschaft der Geister, eine "Ehe auf Basis der Wesenheit" mitten unter Menschen und in dieser Hinsicht ist dann "Maria" wirklich das Vorbild für ein spirituell wie materiell "gottergebenes" Dasein - aber eines ohne Selbstverleugnung und Selbstquälerei, denn dergleichen kannte Miriam nicht. Sie blieb also, gemeinsam mit ihren Frauen und einigen Gefährtinnen (die Dame verfügte über eigene Dienerschaft, war keineswegs ein "armes Ding" wie man Maria charakterisiert hat) in Massilia zurück und in der Folge ist Frankreich DAS Land der "Madeleines" geworden, nicht nur als Gebäckstücke, sondern vor allem in Form diverser Heiligtümer, die "Madeleines" kommen gleich nach den "Nôtre Dames", die für alte keltische "Mutterheiligtümer" stehen. Sie haben ihren Namen nach dem galiläischen Örtchen Magdala am See Genezareth, wo Miriam später ihren Wohnsitz nahm - weder in Bethanien, wo sie herstammte, noch in Nazareth, das ihr wohl zu viele widersprüchliche Erinnerungen barg und wo die Bevölkerung zu gut über die Sache mit Jesus und der sogenannten Hochzeit bescheid wusste, aber auch nicht in Jerusalem, wo sie sich nichtsdestoweniger öfter aufgehalten haben dürfte als daheim. Dass eine Frau irgendwo selbständig Wohnung nahm, war in Israel etwas Außerordentliches - aber sie wollte auch rechtlich unabhängig sein, und dafür nahm sie es in Kauf, wenn man munkelte... beweisen konnte man ihr nichts und hin und wieder kam das schon vor. Den Bürgern von Magdala mochte Jesus als ihr Mann gelten, der hin und wieder zu Besuch kam und ansonsten verbrachte se ihre Zeit an seiner Seite... wer sollte ihr das verübeln. Das Gerede kam auch nicht aus Magdala, sondern es wurde geschürt von diversen missgünstigen Zungen, die leider auch aus dem Umkreis des Simon Petrus kamen, was beide, Miriam und Jesus, verdross, aber Simon, das wussten auch beide, konnte nicht aus seiner Haut und die war nun einmal durch und durch eine jüdische Haut, voller Verachtung der Frau seit den Tagen des Paradieses.

Nun aber war das Gerede graue Vergangenheit und die Kultur Galliens erwies sich einer selbständigen Frau als wohl gewogen. Nach der ägyptischen erwies sich die gallische Mission als die erfolgreichste überhaupt. Besonders der Süden Galliens wurde mit Zentren der Erkenntnis geradezu durchtränkt, aber auch der Norden und insbesondere das bretonische Gebiet wurde nicht vergessen - nahe der atlantischen Küste nahm Miriam mit ihren Gefährtinnen ihren Hauptsitz - in einer heute verschollenen Ortschaft. Von dort war es zwar etwas weiter bis zu den gallischen Zentren, aber Miriam hatte einen sehr verständlichen Grund für ihr Handeln - sie wollte Britannien, sie wollte Jesus so nahe wie möglich bleiben. Irgendwann in höherem Alter, nachdem sie Jesus in der bretonischen Erde bestattet hatte, kehrte sie zurück in ein heimatlicheres Umfeld, zwar nicht nach Israel, das ihr verleidet war, aber nach Kleinasien, in die Nähe von Pergamon, an die kleine Schule von Thyatira, die sie noch als alte Dame so hochbrachte, dass man noch fast zweihundert Jahre später christlicherseits mit Schaum vor dem Mund von der "Irrlehrerin aus Thyatira" sprach. Aber vielleicht waren es gar jene "judenchristlichen" Kreise gewesen, die in dieser Gegend ein Rückzugsasyl gefunden hatten, was sie an der Gegend anzog? Was konnte sie anders denken, als dass Kreise, die sich auf Jesus beriefen, seiner Lehre wie sie diese kannte, folgten? Von der inzwischen kursierenden Kreuzigungslegende hatte sie keine Ahnung.


Die neue Heimat

Und was wurde aus Jesus selbst? Von Londinium ging es auf der geplanten Route weiter bis die Grenze des Imperiums überschritten war. Nun hieß es warten und nach einem neuen, ganz anderen Anfang suchen. Dem Jüngling Jesus, auch dem jungen Mann, waren alle Wege geebnet worden - nun hieß es, sich auf eigene Faust durchs Gestrüpp zu schlagen und das im wörtlichen wie im übertragenen Sinn, denn die Stämme, auf die sie treffen würden, waren rau und noch kaum von zivilisatorischen Institutionen berührt. Hier gab es keine Straßen mehr, kaum noch Pfade, die Siedlungen glichen Jagdlagern ohne jeden Komfort, die Sprache war unbekannt und schwer zu erlernen, die Kleidung primitiv und gelinde gesagt schwierig zu säubern, das Essen war mehr als einfach - irgendwelche Wurzeln, Wildgetreide, irgendwelche Beeren, Schwämme und hier und da ein wildes Schwein oder ein Hirsch, Landwirtschaft war weitgehend unbekannt und zu trinken gab es Wasser aus den Quellen und Honigwein von wilden Bienen war der einzige Luxus, den man sich leistete. Im dichten Wald, der damals das Land bedeckte, kamen sie kaum vorwärts, und so kaum weiter - mehrere Monate, darunter den Winter mussten sie so überstehen und die Winter waren hier verdammt kalt und lang. Aber sie versuchten das Beste aus der Lage zu machen, und was sie an Komfort nicht vorfanden, wenigstens annähernd einzurichten - und so fanden im Frühjahr streifende Banden nicht etwa erfrorene Fremde vor, sondern ein kleines Dorf in dem sich fremde Männer und Frauen bemühten, Äcker zu roden und Wurzelwerk in Beete zu verfrachten. Korn wollten sie bei Gelegenheit bei britischen Bauern im römischen Grenzland eintauschen und säen - nicht wenige der Gefährten waren zu aller Glück Bauern gewesen ehe sie Weisheitslehrer wurden. Die Banden erblickten Räucheröfen, in denen Fische aus dem Bach hingen, sie sahen Frauen, die sich mühten, auf primitiven Webstühlen geklopfte und ausg

© Juliane Bobrowski
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