Neoprotestantismus

Alles um und über die christlich orthodoxe Religion

Beitragvon Merit » Do 4. Sep 2014, 08:43

Ich weiß nicht, ob einer der hier lesenden Herzverständigen die geistige Entwicklung in den letzten Jahren und Jahrzehnten aufmerksam verfolgt hat - ich nehme an, eher nicht, denn das hier zu entwirren erfordert eine Menge nicht herzverständiger analytischer Fähigkeiten und vor allem verlangt es die Fähigkeit, erworbenes Wissen auch anzuwenden - was ja Herzverständigen manchmal an beiden Enden fehlt und wofür dann oft genug der Herzverstand als Lückenbüßer herhalten muss.

Aber dieses ist geschehen: während wir hier um die mystischen Höhen und Tiefen und auch Abgründe unserer Seelen besorgt waren, hat sich in der übrigen Welt aus dem Mief des amerikanischen Kalvinismus ein Untier erhoben, das alle wiedergeborenen Christen in den Himmel und alle sonstigen Menschenkinder in die Hölle befördern möchte. Es predigt im Übrigen, wie der gesamte Kalvinismus, wirtschaftlichen Erfolg als Beweis für Gottgefälligkeit und spricht so die Milliarden und Abermilliarden an Privatvermögen schon mal im Namen des dreieinigen Gottes gerecht. Ich habe darauf bereits vor zehn oder mehr Jahren hingewiesen, aber damals schalt man mich nur dafür. Jetzt haben wir den Salat und schlimmer, er vergiftet nicht nur die USA er vergiftet die ganze Welt, soweit sie dem christlichen Kulturkreis angehört.

Da er sie also für gottgefällig ansieht, hat der Neoprotestantismus natürlich auch keinerlei politische Brisanz - er unterstützt vielmehr überall in der Welt diejenigen, welche die dicksten Konten haben. Dafür dürfen sie dann riesige Kirchenhallen errichten und Suppenküchen betreiben.. allerdings sollen manche von ihnen auch ganz brauchbare Programme darüber aufgelegt haben, wie man sich aus Slums hocharbeiten sollte. Darüber könnte man sich freuen, wenn nicht der Tenor der ganzen Sache wäre: die Reichen sind und bleiben die Gottgefälligen, also eifere ihnen nach, dann wirst du es auch.. was ein illusorisches Ziel ist, ich stelle mir gerade die Deutsche Bank vor, umlagert von einer riesigen Horde wirtschaftlich aufgestiegener wiedergeborener Christen a la Bush Junior, der war ja auch einer von ihnen. Ich bin ziemlich sicher, dass diese wiedergeborenen Christen die Deutsche Bank nur aus einem einzigen Grund belagern werden: ihre Vermögen dort zu deponieren und deren Produkte zu erwerben. Als Konkurrenten sehe ich sie dort nicht.

Das Christentum birgt, selbst das Bibelchristentum, reichlich sozialen Sprengstoff, es wendet sich, nimmt man es ernst, gerade gegen die, die doch das finanzielle Rückgrat aller wiedergeborenen Christen sind: die reichen wiedergeborenen Christen in den Vereinigten Staaten. Aber seit Jean Calvin ist diese Stoßrichtung entschärft, denn gut alttestamentarisch fand dieser, Gott habe den, der ihm wohl gefällt, mit irdischem Erfolg zu belohnen und schloss messerscharf, die Reichen müssten also die Belohnten sein. Die Bergpredigt muss leider vor Jean Calvin abdanken, denn da ist nichts mehr mit Hungern und Dürsten nach Gerechtigkeit.. wer nicht genug hat, der frage sich, welche Sünden ihn daran hindern mehr als genug zu haben.

Aber es sind doch auch viele Nichtchristen reiche Leute? Nun, das war dann der Teufel und sie haben ihren Lohn schon dahin.. dasselbe sagen die Muslime und sie meinen die reichen Christen und so geht der Ball immer herum. Sicher gibt es sympathische Züge bei ihnen: Redlichkeit, Hilfsbereitschaft, Tatkraft, Anteilnahme in Freud und Leid - aber möchtet ihr in einer Gesellschaft leben, in der Paare deshalb verurteilt werden, weil sie ohne Trauschein zusammen leben, in der Homosexualität verdammt wird, Abtreibung verboten, ja sogar Verhütung ein strafbarer Akt ist? Denn natürlich stürzt man sich hier wie überall unter Christen zunächst auf das, was der Mensch zwischen den Beinen trägt - dieses ist ja der Erzfeind eines jeden guten Christen. Als hätte die Menschheit sonst keine Probleme..

Täuscht euch nicht - dies ist keine Randerscheinung, sondern sie bedeutet vielen armen Menschen in Afrika, in Südamerika und im Osten Europas das Christentum schlechthin, sie hat in den besagten Gebieten den Ruf eine Großkirche, den man sonst nur von den großen Konfessionen kennt. Aber an die denkt kaum einer, wenn von Christentum die Rede ist - geschweige dass irgendwer dazu mahnt, doch wenigstens die soziale Brisanz des Bibelchristentums richtig auszuspielen - nun, von denen wird es bestimmt niemand tun und der Rest freut sich, die drohende Armut, diese tausende Hunde, die dann doch des Hasen Tod wären,singen und tanzen für Jesus und sind entschärft. Man darf weiter kungeln und schachern.. und da tanzen nicht nur ein paar Verrückte, da tanzen Millionen und Abermillionen...
.. wer Schlechtes über den reinen Geist sagt, dem wird nicht vergeben, weder auf Erden, noch im Licht..
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