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© Auf den Spuren der Seele • Thema anzeigen - Geschichte des Christentums (Auszug)

Geschichte des Christentums (Auszug)

Alles um und über die christlich orthodoxe Religion

Beitragvon eik » Fr 22. Feb 2013, 09:11

© Juliane Bobrowski

Das Christentum ab 389 bis 1517

Der Grund, auf dem das Christentum steht, ist nicht das Neue Testament. Das Fundament des Christentums sind die "Kirchenväter". Daher ist es auch nicht verwunderlich, wenn heute die katholische Kirche als die Bewahrerin der Geschichte des Christentums sich auch als Bewahrerin dieser Tradition versteht und sich als ein Organismus begreift, der mit der Verkündigung der Geschichte und Gedankenwelt des Christentums durch die Kirchenväter und Kirchenlehrer auf das Engste verbunden ist und bleibt. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn dort Tradition und Evangelium einander mindestens gleichwertig gegenüberstehen. Sie sind es in der Tat und das belegt sich bis in unsere Zeit, in der ein Kirchenlehrer der katholischen Kirche immer noch mehr zu sagen hat als ein Evangelium.

Die Kirchenväter waren die ersten Propagandisten des Christentums, nicht die Apostel. Apostel gab es viele - alle Namen sind wohl bis heute unbekannt - und sie gründeten sehr vielgestaltige Gemeinschaften, die nur eines gemeinsam hatten: den Bezug auf den "göttlichen Wundermann" Christus. Sie alle lehrten mehr oder weniger die Lehre des historischen Jesus, von der im Christentum so gut wie nichts überkommen ist. Die Kirchenväter hingegen lehrten das Christentum so wie wir es heute kennen: eine Religion, die im höchsten Grade synkretistisch war und das Gut fast aller im Imperium Romanum vereinigter Kulturen zu einem Ganzen verband. Sie taten es jeder für sich und oft genug lehrten sie gegeneinander. Die Geschichte dieses Gegeneinanders ist beschrieben in der Geschichte jener frühen Konzile, aus denen dann im vierten und fünften Jahrhundert sich die "Kirche" formte. Es liest sich vor diesem Hintergrund höchst seltsam, wenn heute ein Christ andere Religionen als "synkretistisch" abzuwerten sucht, also ihnen unterstellt, nicht authentisch zu sein; er selbst gehört doch der am wenigsten authentischen der alten Religionen an. Indem das Christentum aber die Essenz der meisten antiken Religionen auf sich vereinigte, warf des die Originale auch allesamt, wie ein junger Kuckuck, aus dem Nest. Nicht nur die Erkenntnislehre ging in den Tempelstürmen des fünften Jahrhunderts in die Katastrophe, anderen geistigen Strömungen erging es noch weitaus schlechter. Gingen die Schüler der Erkenntnis trotz Opfern letztendlich nur in den Untergrund, so wurden die verschiedenen Tempelkulte und Mysterien systematisch ausgerottet. Wir können davon ausgehen, dass es im sechsten Jahrhundert rund um das Mittelmeer bereits keine "heidnischen" Religionen mehr gab.

Um diese Zeit begann die Missionierung der ehemaligen römischen Grenzregionen, die sich bis ins zehnte Jahrhundert hinzog. Britannien, Irland und das innere Germanien wurden nach und nach christianisiert - oder besser romanisiert, denn christianisiert wurden sie bzw. waren sie schon lange und zwar von irischen und britischen Wanderaposteln, den letzten Abgesandten der Schüler der Erkenntnis, welche einst mit Jesus gegangen waren. Im italischen Kernland hatten die Besatzer und Eroberer Roms, die Goten, den christlichen Glauben angenommen und von dort aus verbreitete er sich über die noch schweifenden Stämme. Ravenna löste für eine Zeit Rom als Zentrum Italiens ab, Zentrum der Region aber war schon seit der konstantinischen Teilung des Imperiums Konstantinopel. Die Christianisierung ganz Europas dauerte an bis ins dreizehnte Jahrhundert, als die pruzzischen Stämme im Baltikum ausgerottet und der Rest der Balten zwangsbekehrt wurden. Im slawischen Raum war zu dieser Zeit das byzantinische Christentum bereits etabliert. Russen, Ukrainer, Bulgaren, Walachen(Rumänen) bekannten sich zumeist zum byzantinischen Ritus. Die Völker im jugoslawischen Raum waren von alters her Byzantiner gewesen, da sie aus römischer Tradition hervorgegangen waren und nicht in diesem Sinne zum Missionsgebiet gehörten. Das Verhältnis der christlichen Kirchen im Westen und im Osten war zwar gespannt, aber insgesamt vergaß man noch nicht, dass man zum größten Teil dieselben Kirchenlehrer hatte und im Kultus oft nur die Sprache (griechisch statt lateinisch) den Unterschied des Bekenntnisses machte. In der Tat betet die griechische Kirche bis heute dasselbe nicänische Bekenntnis wie die katholische. Andererseits sind das Romanum und das Apostolicum (das heutige protestantische Bekenntnisgebet) nie in den Gebrauch der byzantinischen Kirche gekommen. Ein weiterer wesentlicher Unterschied zwischen westlicher und östlicher Spielart des Christentums ist allerdings der Umgang mit religiöser Magie. Dieser Umgang drückt sich aus in der Behandlung und Bewertung der in beiden Kirchen allgegenwärtigen Heiligenbilder. In der westlichen Kirche handelt es sich bei der Abbildung von Heiligen lediglich um Erinnerungsbilder, weswegen ihre Gestaltung auch bis auf die Attributierung dem Zeitgeschmack unterliegen durfte. Wenn sich herausstellte, dass ein Heiligenbild "wundertätig" wurde, bedurfte es peinlicher Untersuchungen, bis diese Wundertätigkeit - also magische Effizienz - von der Kirche amtlich anerkannt wurde (was die Verehrung diverser inoffizieller Wunderbilder freilich nicht hinderte). In der östlichen Kirche hingegen galt jedes Bild eines Heiligen oder sonstigen Repräsentanten des Christentums, Jesus eingeschlossen, von vornherein als magische Vergegenwärtigung des Dargestellten. Daher durften an seinem Erscheinungsbild keinerlei Veränderungen vorgenommen werden noch durfte es - zur Unterscheidung von heidnischen Götterbildern - dreidimensional gestaltet werden. Wunder, insbesondere Heilungswunder, wurden von diesen "Ikonen" regelrecht als normaler Service erwartet; nur wenn ein solches Bild eine besondere Situation gemeistert hatte, wurde es besonders als "wundertätig" verehrt. Dies war dann der Beweis dafür, dass der oder die Heilige, oder gar eine der göttlichen Personen, sich leibhaft für irgend etwas eingesetzt hatte. Das Bild war in diesem Falle (und war auch sonst) die Tür, durch welche die "übersinnliche" Gegenwart stets und jederzeit ins Profane eintreten konnte.

Die westliche Kirche sah dies alles sehr viel kopflastiger und nüchterner, eben "römischer". Sie sah in ihren Heiligenbildern nicht die Heiligen selbst, sondern eine Erwähnung derselben. Sie sah in ihnen nicht, wie die östliche Kirche "Götterbilder" auf christliche Art.

Was kaum mal in einer Kirchengeschichte steht

Die römische Kirche sah auch sonst alles sehr viel weniger magisch an: ihre Priester waren Religionsbeamte, die in dieser Zeit übrigens heiraten durften und ihr Priesteramt häufig in den Familien vererbten, den Besitz der Kirchen eingeschlossen. Eine besondere Ausbildung brauchten Priester im Allgemeinen nicht, was sie wissen mussten erfuhren sie von ihren Vätern, die ihnen auch die Weihe erteilten. Die Bischöfe sorgten nur dafür, dass in einem Bezirk sich keine Irrlehren oder sonstige Störungen im Leben der Großgemeinde ereigneten und schlichteten Streitigkeiten zwischen Priestern, die kein weltliches Gericht anrufen durften. Ansonsten blieben die priesterlichen Familien wenigstens bis ins zehnte Jahrhundert sich selbst und ihrem mehr oder weniger ausgeprägten Geschmack überlassen. Man rechne sich selbst aus, wie groß der Anteil an magischen Verrichtungen im Alltag eines solchen Priesters gewesen sein mag, der da inmitten noch bis vor Kurzem "heidnischer" Völker seines Amtes waltete. Der christliche Priester hatte für sie die Stelle ihres - oft ermordeten und ausgerotteten - Klerus eingenommen und hatte nun in althergebrachter Weise für alles zu sorgen, wofür sonst die Priester der Götter gesorgt hatten. Das mochte ihm lieb sein oder leid, er hatte es zu tun, wollte er mit seinen Pfarrkindern in Frieden leben; das aber wollten die Priester zumeist.

Priesterliches Eigentum war nicht Eigentum der Kirche - auch das war anders als in Byzanz, wo ansonsten ebenfalls die Popen verheiratet waren, aber auf Kirchengut saßen, das nach ihrem Tod an die Kirche zurückfiel. Denn eine "Kirche" im Sinne der byzantinischen Administration gab es im Westen eigentlich gar nicht. Es gab den Bischof von Rom, den die übrigen Bischöfe im Westen (bis auf Ravenna und Sizilien) als ihren geistlichen, aber nicht als ihren weltlichen Oberherrn anerkannten. Ihr weltlicher Oberherr war vielmehr der oberste Beamte der Region oder wenn es sich so ergab, der gerade regierende Fürst. Er ernannte Bischöfe und setzte sie ab, er stattete sie mit Gütern aus oder nahm ihnen dieselben. Die Bischöfe aber hatten keinerlei Durchgriffsrechte auf die ihnen unterstellten niederen Kleriker oder gar auf deren Besitz, zu dem auch oft die Kirchen gehörten. Nicht erbberechtigte Söhne von Priestern gründeten also oft ihre eigenen Kirchen und umgaben sie mit Äckern, die sie der Wildnis abrangen. Manchmal kamen andere Söhne hinzu, und es bildete sich eine Art Kommune von "Waldeinsiedlern", die man aber nicht mit östlichen Anachoreten verwechseln darf; diese suchten nicht als Mystiker die Einsamkeit, sondern neuen Lebensraum, den sie auch gern mit zu gründenden Familien teilten; zölibatäres Leben war ihre Sache jedenfalls nicht unbedingt. Solche Gruppen, oft Keimzellen neuer dörflicher Siedlungen, gab es im ganzen Westen, also auch in Italien, wo die waldreichen Gebiete in den Bergen reichlich Aussicht auf neuen Lebensraum boten. Es waren auch weniger "geistliche" als aus Bauern, Adeligen und eben Priesterkindern gemischte Gruppen, in denen die Priesterkinder nur einen Teil des gesellschaftlichen Spektrums ausmachten.

Das bedeutete in der Praxis, dass die christliche Kirche im Westen drauf und dran war, sich wieder in der Bedeutungslosigkeit zu verlieren - und je mehr sie das tat, umso deutlicher wurden die Signale, dass die von dieser Kirche plattgewalzten Strukturen aller Art sich erholten. Priester zu sein war ein Beruf wie andere auch, Kirchengut gab es nicht, sondern nur geistliches Privateigentum, die Bischöfe waren vom guten Willen ihrer Gemeindemitglieder abhängig, gefielen sie ihrem Brotherrn nicht mehr, konnte der sie sofort davonjagen, sie waren Privateinrichtungen diverser Beamter oder auch Adeliger in der Region. Die christliche Lehre indessen war so gut wie ruiniert, die Vorstellungen vom Christus entsprachen denen von einem göttlichen Helden, der mehr mit Apollo, Baldur oder Teutates als mit dem Messias zu tun hatte. Gottvater indes hatte eindeutig die Züge von Wotan, Odin, Jupiter und so fort übernommen, die Jungfrau Maria war die Große Mutter ebenso wie die liebliche Freya und was immer da noch herum strich an göttlichen Damen. An theologischen Formulierungen hatten diese Kreise keinerlei Interesse. An zentralistischen Strukturen, wie sie in Byzanz gang und gäbe waren, auch nicht. Dazu trug wesentlich die besondere Situation im ehemaligen weströmischen Bereich bei: die alten administrativen Strukturen waren zerstört oder bestanden nur in regionalen Resten fort. An die Stelle des einheitlichen Staatsgebildes waren zahlreiche neue Königreiche getreten, die untereinander um weiteren Einfluss konkurrierten. Um den geistigen Zusammenhalt des alten weströmischen Gebietes kümmerte sich niemand, da ein solcher in niemandes Interesse lag.

Wirklich in niemandes? Ein Interesse gab es zumindest, nämlich das Interesse des Bischofs von Rom. Zu Zeiten des weströmischen Reiche war er dem Patriarchen von Konstantinopel als Amtsbruder gleichgestellt gewesen und es hatte harte Kämpfe gekostet, bis dies erreicht war - Kämpfe auch und gerade mit seinen weströmischen Amtsbrüdern. Nun war der Bischof von Rom wieder ein Bischof unter vielen und das behagte ihm ganz und gar nicht. Er hatte als Patriarch von Westrom auch die Leitlinien der Politik in Vielem mitbestimmt - diese Vollmachten waren ihm nun ganz und gar entzogen. Die Politik der Nachfolgestaaten war durchweg weltlich bestimmt und die "Kirche" als solche stellte nur einen repräsentativen Schnörkel in der Kultur der nachrömischen Geschichte dar; man war eben "christlich" weil sich das so gehörte, aber was "christlich" zu bedeuten hatten, bestimmte im westlichen Mittelmeerraum mehr oder weniger jeder selbst.

Die großen Reformen

Während in Ostrom eine zentralistische und zentralisierte Kirche das gesellschaftliche Leben bis in Details hinein beherrschte und theologische Kontroversen zu Volksaufständen führen konnten, herrschte in den ehemals weströmischen Territorien diesbezüglich eine beinahe anarchisch zu nennende Liberalität. Zwar waren alle christlichen Gemeinden im Vollzug der Riten als solchen einig - aber bereits darüber wie diese Riten vollzogen wurden, gab es große Unterschiede und zwar nicht nur von Region zu Region, von Bekenntnis zu Bekenntnis, sondern auch von Ort zu Ort, ja von Kirche zu Kirche, wenn in einem Ort mehrere Kirchen existierten. Nicht wenige Kirchen verfügten nicht einmal über ein Exemplar des nun immerhin feststehenden Neuen Testamentes, noch weniger verfügten über ein Exemplar des Alten. Man vollzog Taufe und Abendmahl wie es gerade gehen mochte und man es als angemessen empfand, und das war in den verschiedenen Gemeinden höchst verschieden. Gewisse Grundregeln wurden zwar überall beachtet, so die Verwendung von Brot und Wein, das Eintauchen, später das Besprengen mit Wasser und der Spruch: ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes - aber damit hatte die Einheitlichkeit auch oft ihr Bewenden.

Ob jemand daran Anstoß genommen hätte? Im Volke kaum, auch nicht unter dem Adel, der als kriegerischer Feudaladel nun eindeutig das Leben beherrschte. Auch die priesterlichen Familien in ihren Kirchen nahmen daran keinen Anstoß; sie wussten es nicht besser und nicht anders. Aber unter der dünnen Schicht der römischen Theologen, die sich aus besseren Zeiten in der Nähe des Bischofs von Rom aufhielten, war man über die Zustände entsetzt. Nicht etwa, weil man sie theologisch unhaltbar gefunden hätte (das tat man auch), sondern weil die Konsequenz absehbar war: binnen kurzem würde es in diesem Durcheinander eine christliche Kirche nicht mehr geben, das Christentum würde in eine Reihe von Kulten zerfallen, die mit der Zeit in wer weiß was für neuen Organisationen aufgehen würden. Zudem wetzten die untergetauchten "Gnostiker" bereits ihre Messer und machten sich bereit, den Trümmerhaufen ihren Interessen entsprechend zu infiltrieren. Immer wieder hört man in dieser Zeit von aufflammenden "Ketzerbewegungen", in denen immer öfter aus dem manichäischen Kreis stammende Ideen laut wurden. Manichäismus aber war der Titel, unter dem zuletzt die Lehre der Erkenntnis sozusagen als Reimport im römischen Reich reüssiert hatte. Der Zerfall des westlichen Christentums wurde bereits sichtbar: immer wieder verließen Bauern ihre Dörfer und ließen mit der Kirche auch das Christentum zurück. Besonders aus Südfrankreich sind solche Begebnisse belegt - man wird sich erinnern, dass hier dann die Gesellschaft der Katharer entstehen sollte.

Im elften Jahrhundert erreichte dieses Treiben einen ersten Höhepunkt, der durch eine ausbrechende Hungersnot zusätzlich angetrieben wurde - die Menschen verzweifelten und die Kirchen konnten ihnen nicht helfen. Einmal waren sie selbst von der Hungersnot betroffen, zum andern aber standen die einzelnen Kirchen isoliert und konnten das etwa Vorhandene oft weder ermitteln noch einsetzen - zum dritten stand sehr dahin, ob sie das wollten, denn wo Nahrung vorhanden war, suchte man sie zu behalten und kümmerte sich lieber um andere Dinge. Im elften Jahrhundert aber waren schon viele Dinge geschehen, die ins Kapitel von den großen Reformen gehören.

Während sich die neuen Reiche konsolidierten (Bestand hatten zuletzt neben Byzanz die Langobardenreiche in Italien, die Frankenreiche und die Sachsen in Mittel- und Westeuropa, die gotischen Reiche auf spanischem Territorium und die hunnisch - magyarische Besiedlung der pannonischen Territorien), geschah auch auf dem ideologischen Sektor nach und nach das am dringendsten Erforderliche. Die Reform Gregors des Großen als des Bischofs von Rom und Sachwalter der christlichen Angelegenheiten vereinheitlichte zunächst den katholischen Ritus - bis diese sich freilich in ganz Europa durchsetzte, sollte es noch gute Weile haben, aber nun gab es wenigstens etwas, woran man sich halten konnte und sollte. Freilich - eine wirklich beherrschende Stellung des römischen Episkopats wie das in den Tagen Westroms gewesen war, sollte damit noch nicht gewonnen sein. Aber immerhin erreichte Gregor damit einen Achtungserfolg. Auch seine Reform des julianischen Kalenders und die Festlegung einer neuen Zeitrechnung "nach Christi Geburt" setzten sich, sogar in relativ kurzer Zeit, durch. Auch diese Maßnahmen dienten ja der Wiederherstellung einer übergreifenden zivilisatorischen Ordnung.

Eine andere Entwicklung wurde vom Episkopat in Rom zwar nicht initiiert, aber wohl genutzt. Ich denke hier an die Entwicklung des abendländischen Mönchtums. Ich sprach weiter oben von jenen Gruppierungen jüngerer Erben, die sich in selbständigen Gründungen zusammenfanden. In einer dieser Gruppen gelangte aus welchen Gründen auch immer die ideologische Fraktion zum Übergewicht.

Normalerweise gehörten zu solchen Gruppierungen Männer und Frauen, die dann selbst Familien gründeten und als Ahnherren neuer Sippen firmierten. Das war auch dann der Fall, wenn das geistliche Moment irgendwo die Führung übernahm; es entstanden an solchen Orten dann sogenannte "Doppelklöster" wobei man hier mit dem Begriff des Klosters vorsichtig umgehen muss - es handelte sich zumeist um offene Siedlungen und auch ein Zölibat war nicht unbedingt erforderlich. Wichtig war nur der Gehorsam, der dem Ortshaupt und "Lokalguru" geschuldet wurde und die bewusste Zugehörigkeit zu einer bestimmten, oft von manichäischen Forderungen durchsetzten Geisteshaltung.
Es ist keineswegs so, dass erst durch diese versprengten Gruppen die Idee des Mönchstums in die Kirche gekommen wäre. Mönche gab es seit dem dritten Jahrhundert, und zwar sowohl als Einsiedler als auch als in einem Konvent zusammen Lebende. Es gab, parallel dazu, auch seit den ältesten Tagen der Christenheit die Nonnen, geistlich und ehelos lebende Frauen und Mädchen. Im byzantinischen Gebiet unterlagen beide einer straffen Organisation und Disziplin. Das weströmische Gebiet hingegen kannte nur sich gelegentlich und angelegentlich zusammen findende Kommunitäten. Sie gaben sich Regeln, in denen sie das Besondere ihres Tuns betonten und ihre Exklusivität sicherten, aber sie strebten nur sehr selten nach Expansion über ihre regionalen Bestandsgrenzen hinaus.

In jener Kommunität, die sich in den Wäldern der Abruzzen um einen jungen Mann namens Benedictus versammelte, sah das anders aus. Die "Gewohnheiten" dieser Gemeinschaft schlossen das missionarische Element mit ein. Überall, wo sich Männer (und von Anfang an auch Frauen) dieser Regel anschlossen, wurden sie Glieder eines überregional geplanten Systems. Dabei behielten die gegründeten Kommunen als solche absolut ihre Selbständigkeit, hatten sich aber insgesamt an die Regel zu halten und, anders als in den übrigen Gemeinschaften, band die Regel sie auch an den Ort, an dem sie sich zusammengefunden hatten; nur gemeinsam konnten die Brüder und Schwestern des Benedictus ein neues Kloster gründen. Niemals konnte ein einzelner Bruder oder eine einzelne Schwester das Kloster verlassen um irgendwo eine neue Pflanzstätte zu finden.

Die Regel des Benedictus hielt auch das Leben des Individuums im Gleichgewicht indem es dieses Leben auf die geistlichen wie die weltlichen Pflichten organisatorisch verteilte und dabei auch der notwendigen Ruhe und Erholung Beachtung schenkte. Die "Benediktiner" waren keine Asketen, wiewohl sie asketische Übungen wie Fasten und Kasteiungen nicht verdammten, sie schrieben dieselben nur nicht, die allgemein gültigen Regeln ausgenommen, verbindlich vor. Es verstand sich von selbst, dass zu den in der Kirche üblichen Zeiten auch im Kloster gefastet wurde, aber Fasten bedeutete in diesem Falle nicht Hungern. Geißelungen hingegen und andere Bußübungen waren zwar nicht verboten, aber auch nicht obligatorisch. Obligatorisch war hingegen die Arbeit und zwar die geistige wie die körperliche gleichermaßen - der frühe benediktinische Mönch delegierte diese Verrichtungen noch nicht an "Laienbrüder". Obligatorisch war auch das geistliche Leben: die sogenannten Gebetszeiten durften sogar den Arbeits- und Ruhezeiten vorgehen. Die benediktinischen Ordensleute sollten sich konzentrieren, nicht - geistig wie leiblich - vagieren. Sie sollten keine Hungerkünstler sein und nicht auf Nagelbetten schlafen, sondern ausreichend ernährt und anständig wie witterungsbeständig gekleidet sein, sie sollten ein Mindestmaß an Reinlichkeit einhalten (auch mehr war erlaubt) und vor allem sollten sie in der Lage sein, sich Wissen zu erarbeiten und anzuwenden. Nicht der "Guru" bestimmte die Richtlinien, sondern ein Rat, gebildet aus allen ordinierten Amtsträgern eines Klosters. Hier wurden die Angelegenheiten des Hauses demokratisch besprochen und der "Abbas" hütete sich, gegen den Willen seines "Kapitels" zu entscheiden, obgleich er das theoretisch durfte. Allgemeine Entscheidungen bedurften der Zustimmung der gesamten ordinierten Gemeinschaft. Ein solcher Abbas = Abt wurde nicht auf Lebenszeit, sondern auf einen Zeitraum von maximal drei Amtsperioden von je drei Jahren gewählt. Er musste aus der örtlichen Gemeinschaft kommen, die Anforderung aus anderen Häusern war untersagt. Konnte eine Gemeinschaft keinen Abt wählen, so hatte sie sich aufzulösen und einer anderen anzuschließen. Einen "Oberbefehlshaber" der Benediktiner gab es nicht - aber es gab von Zeit zu Zeit sogenannte Generalkapitel, in denen die Äbte der Klöster sich untereinander verständigen und generelle Entscheidungen treffen konnten.

Die nach dieser Regel entstandenen Gemeinschaften erregten endlich die Aufmerksamkeit des römischen Episkopats. Den Mönchen und Nonnen gefiel dies nur sehr bedingt, denn sie hatten viel mehr ihre eigene als die Herrlichkeit des römischen Bischofs und seiner Kirche im Auge. Ihr Ideal war die von Mönchen und Nonnen verwaltete, straff organisierte und doch flexibel arbeitende Kirche der Ordensleute, die niemandem zu Gehorsam verpflichtet waren als ihren eigenen Oberen. Sie repräsentierten das Gottesreich, so verstanden sie sich, und als solche Repräsentanten waren sie Bischöfen und Königen nicht unter- sondern übergeordnet. Man konnte sie mit Schenkungen bei Laune halten, aber nicht verpflichten und wer sie ernährte, der leistete seinen Beitrag zum Ausbau der jenseitigen Welt, in der seiner gedacht werden würde und sollte.

Der Orden (bis zum dreizehnten Jahrhundert sollte er der einzige Orden in der westlichen Christenheit bleiben) war kein karitatives Unternehmen. Wohl pflegte man durchziehende Pilger zu beherbergen, auch Armen Beschäftigung und Almosen zu geben, untereinander pflegte man selbstverständlich Gastfreundschaft - aber die Krankenstationen waren den Ordensmitgliedern vorbehalten und die medizinischen Erfahrungen der Ordensleute verblieben in deren Klöstern. Die Schulen der Klöster waren in erster Linie jenen vorbehalten, die für den Orden ausgebildet werden sollten. Die Klöster wollten anders als durch ihr Dasein gar nicht in die Welt hinaus strahlen. Ganz ähnlich dachten übrigens auch die byzantinischen Basilianermönche, die ihrerseits den einzigen Orden der östlichen Christenheit darstellten. Der römische Bischof aber ergriff die Gelegenheit beim Schopfe und machte den Orden durch eine faktisch gar nicht benötigte Urkunde zu einem Gegenstand des römischen Episkopats. Verbunden mit den politischen Größen der Zeit unternahm es der römische Bischof, dem Orden überall in Europa wo er das vermochte, Zutritt zu verschaffen. Benediktinermönche zogen nun überall in den Dunstkreis der Herrschenden ein und wurden von diesen, ob in Magdeburg oder in der Bretagne, in Spanien oder Polen, protegiert und wirtschaftlich gefördert. Oft genug geschah das in erbitterter Konkurrenz zum ansässigen Klerus, der sich in seinen Besitzrechten gefährdet sah. Dies nicht zu Unrecht, denn die Förderung des Ordens durch die Machthaber zielte sehr wohl auf Veränderungen im Erscheinungsbild des Weltklerus. Neben den oft verbauerten Weltpriester mit seiner Familie zog der zölibatäre anders als er theologisch wie naturwissenschaftlich gebildete aber körperliche Arbeit ebenso wie er gewohnte Mönch, dessen Familie der Konvent mit seinen oft weitreichenden Beziehungen war. Auch wenn die Klosterkirchen keine Pfarrkirchen waren, die Öffentlichkeit weitgehend vom Leben der Mönche ausgeschlossen blieb, da die Mönche nicht predigten noch öffentlich Messe lasen, war doch nicht zu übersehen, dass die Leute zu den "modernen" Veranstaltungen der Mönche gingen statt zum allein vor sich hin mümmelnden Weltpriester. Sie lauschten lieber dem (gregorianischen) wohlorganisierten Chorgesang statt dem näselnden Singsang ihres Pfarrers. Und sie sahen die wohlbestellten Äcker, das gut genährte und gehaltene Vieh, die fetten Weiden und fischreichen Teiche der Klöster und verglichen sie in Gedanken mit ihren steinigen Äckern, ihren karstigen verunkrauteten Wiesen und fäkalienbeladenen Bächen und Teichen. Sie sahen die solide gebauten Konventsgebäude und verglichen sie in Gedanken mit ihren Feldsteinkirchlein und Fachwerkhäuschen. Die Weltpriester aber wollten ihre Schäflein behalten. Daher blieb ihnen nichts übrig, als sich wo sie konnten, dem Standard der Mönche anzugleichen. Sie benutzten das gleiche Messformular, sie besorgten sich stimmkräftigere Mitsänger, sie begannen wieder in ihren Bibeln und ihren Gebetbüchern zu lesen, setzten die Glocken wieder in Gang und flickten und erneuerten ihre Pfarrkirchen, hielten sie sauber und statteten sie auch mit der und jener neuen Figur oder einem der neumodischen Glasfenster aus. Dazu versuchten sie jetzt Predigten zu halten, bei denen ihre Pfarrkinder nicht einschliefen. Und sie scharten sich vermehrt um ihre Bischöfe, beschworen sie, ihnen die Konkurrenz der Klöster vom Leib zu schaffen oder gar erst vom Leib zu halten. Das wiederum stärkte den Zusammenhalt der Weltgeistlichkeit als solcher und mancher gute Pfarrer lernte da seinen Bischof erst als "seinen" Bischof kennen. Die Bischöfe setzten sich denn auch entsprechend für ihre Kleriker ein. Aber es sollte sich zeigen, dass ihre Fürsprache oft nicht willkommen war. Denn der römische Bischof, der sich den Orden verpflichtet hatte, hatte ganz andere Pläne. Er wollte nach und nach alle Bischofssitze Europas mit Ordensmitgliedern besetzen oder anders dem Orden dienstbar halten, und durch diesen Orden die zentrale Gewalt über den Westen wieder beziehungsweise überhaupt erlangen. So schickte er Missionare in die bisher weitgehend vom (römischen) Christentum unberührt gebliebenen Regionen, wo diese sich oft genug nicht nur mit den "Heiden", sondern auch mit jenen Missionaren auseinander zu setzen hatten, die aus Irland und Schottland her kommend die Lehre des historischen Jesus verbreiten wollten. Freilich - mehrere hundert Jahre nach dessen Tod war diese Lehre nur noch in Bruchstücken erhalten, immerhin aber beachtlichen Bruchstücken, denn die Botschaft dieser Lehre hieß: Wissen für alle, karitativer Dienst wo immer es ging, und nebenher auch ein wenig Gebet und vor allem nach der Assoziation der Iren an die Katholiken auf der Synode von Whitby auch Messelesen. Auch die "Iroschotten" waren Mönche, aber Mönche ganz anderer Art. Sie vagabundierten nicht etwa nach eigenem Willen umher, sondern erfüllten mit ihrer "Hauslosigkeit" ihrer Meinung nach ein Gebot ihres Meisters. Sie predigten, heilten und unterwiesen die Leute, was die Benediktiner von Hause aus nicht taten, es sei denn, sie waren dazu abgeordnet. Und da sie es nicht gewohnt waren, taten sie sich damit auch schwer.

Immerhin aber ging die benediktinische Expansion voran - und mit ihrem Voranschreiten wachte auch der hohe Klerus mehr und mehr aus seinem arroganten Dornröschenschlaf auf und erkannte, dass nur wenig fehlte, und die Kirche hörte zumindest im Westen Europas auf, Teilhaber der weltlichen Macht zu sein. Nun, erwacht, wollte er die Mönche schärfer und unmittelbarer als geistliche Legion und "schnelle Eingreiftruppe" gestalten, aber da hatten Papst und Kurie sich verrechnet - auch für die Mönche kam das Eigeninteresse zuerst und wie der Pfarrer um seine Ländereien so sorgten sie sich zunächst um das Wachstum und die Wohlfahrt IHRER Heimstätten. Dafür gingen sie auch reichlich Kompromisse mit den örtlichen Feudalherren ein indem sie ihre Kirchen als "Familiengrabstätten" und auch sehr oft als familiäre Pensionate zur Verfügung stellten.

Da hier eine Veränderung der Dinge nicht in Sicht schien, richtete man - nun schon recht korporativ - das Augenmerk auf die Lage des Weltklerus, der dem päpstlichen Willen viel stärker unterworfen war, und stellte fest: die Zustände sind nicht mehr hinnehmbar. Der kirchliche Besitz ist seit Generationen privatisiert, der Bildungsstand und das geistliche Leben der Kleriker sind katastrophal verweltlicht und verludert, Durchgriffsrechte Roms auf den Weltklerus gibt es so gut wie keine mehr, die Richtlinienkompetenz Roms steht auf weniger als auf Papier, denn der Klerus ist untereinander und mit den weltlichen Familien von Rang überall versippt und verschwägert, sodass er es naturgegeben mit diesen hält und nicht mit den Interessen einer Gesamtkirche, deren Existenz er nirgendwo spürt. Da die Benediktiner zu stark waren, sie korporativ Rom zu unterwerfen, musste man den Weltklerus wie einen Augiasstall reinigen. Der erste Schritt dazu war die Zerstörung der priesterlichen Familien.

Man kann sich heute kaum noch vorstellen, welches Leid die Zölibatsforderung über die priesterlichen Familien brachte. Sie stürzte die Priester von einem Tag zum anderen von behäbigem Wohlstand in bitterste Armut, sie trennte Mann und Weib, Eltern und Kinder, und mehr noch, die Zurückgelassenen erklärte sie auch noch für unerwünschte Personen, denn selbstverständlich waren nicht die Zeitläufte oder gar die Lehre der Kirche, sondern waren die Priester selbst für den "Verfall der Sitten" verantwortlich. So jedenfalls die Doktrin, die Wahrheit sah wie immer anders aus. Natürlich waren es die Verhältnisse und natürlich war es die Lehre, die aus sich allein kraftlos war, die ohne die Existenz der "Gnostiker" im Hintergrund nicht lebensfähig war, die im übrigen niemals einen Zölibat für Priester gekannt hatte - und in der Ostkirche zum Beispiel für einfache Priester bis heute nicht kennt, in den Kirchen protestantischer Konfession hat man denselben folgerichtig wieder abgeschafft. Die Gnostiker hatten durch ihre Existenz die Kirche erst zu dem gemacht was sie sein wollte: zu einer ideologischen Macht. Nun, da sie nicht mehr sichtbar waren, zerstob auch die ideologische Kraft der Kirche in alle Winde. Merkt man etwas? Das Christentum wird und ist dann eine Kraft, wenn es sich "gegen" etwas zu stellen hat - ohne "Ketzer" verkommt es sofort zu einer beliebigen Institution, die bald an ihrer eigenen Nutzlosigkeit eingeht. Die katholische Kirche, Urheberin des allgemeinen Zölibats für Kleriker, ist bis heute nicht geneigt, auf dieses Machtmittel Verzicht zu leisten, auch wenn dabei die Zahl der Priester alarmierend zurückgeht - sie weiß, ohne dieses Mittel wird sie über kurz oder lang aufhören, DIE katholische Kirche zu sein. Lieber aber ist sie eine Kirche mit nur wenigen Priestern als gar keine zu sein.

Der zweite Schritt war die Besetzung der Pfarrstellen von Rom, respektive vom zuständigen Bischof her. Vordem hatten die Orte ihre Pfarrer gewählt oder, auch eigentlich nicht verwerflich, diese hatten ihre Ämter gekauft. Dieser Brauch des Ämterkaufes in spirituellen Angelegenheiten war in der Antike gang und gäbe gewesen, und war nicht im Mindesten anrüchig. Simon der Große bereits spottete darüber, für wie viel Geld ein Amt bei den Christen wohl feil wäre, man erinnere an die Geschichte von Ananias und Saphira, um zu wissen, dass Geld bereits unter den ersten Christen eine verhängnisvolle Rolle spielte und vergesse nicht die 200.000 Sesterzen, mit denen Markion sich einst in die Christengemeinde von Rom einkaufte. Zudem, welche Heuchelei, wenn man weiß, dass bis in die Neuzeit hinein Bischöfe bei ihrer Ernennung durch den Vatikan als Kardinäle aber auch bereits bei ihrer Bestätigung als Bischöfe durch denselben sich dafür "erkenntlich zu zeigen" hatten.

Nun kommandierte ein Bischof einen Trupp eheloser daher beweglicher Priester zum jeweiligen Einsatz innerhalb seines Jurisdiktionsbereiches, wo sie von den jeweiligen Gemeinden unterhalten werden mussten. Dieser Bischof aber wurde selbst von Rom kommandiert. Jedenfalls war so die Vorstellung des Vatikan.

Mit dieser Vorstellung aber hatte es noch gute Weile bis zur Verwirklichung und an einigen Orten in Europa wurde sie nie verwirklicht. So hatte in der englischen Kirche der König unangefochten das Besetzungsrecht für alle seine Bischofssitze, das Gleiche traf zu auf Frankreich und gehörte zu den von den Franzosen bis heute eifersüchtig gehüteten "gallischen Freiheiten". In Frankreich ist auch die Kirche bis heute weder Staatskirche noch dem Staat als Institution ebenbürtig, sondern ihm in allem unterworfen. Dem entgegen ist die englische Kirche wenigstens Staatskirche mit dem König als Oberhaupt. In den übrigen europäischen Ländern entbrannte ob dieses Verlangens ein mehr oder weniger hitziger Streit der weltlichen mit der geistlichen Macht. Denn die weltliche wollte sich von der geistlichen nicht in die Karten sehen lassen und umgekehrt. Es dauerte zwei Jahrhunderte, bis die "geistliche Investitur" in Europa mit den genannten Ausnahmen durchgesetzt war. Am besten bekannt ist aus dieser Zeit wohl der Streit des Staufers Friedrich II mit insgesamt drei Päpsten um die politische Vorherrschaft. Zu dieser Zeit waren die meisten europäischen Fürstenhäuser bereits "zu Kreuze gekrochen" wie es aus dieser Zeit seither sinnfällig heißt. Aber "Aufmuckereien" gab es bis in die Neuzeit immer wieder. Nur der Umstand, dass die geistliche Ebene heutzutage in der Politik mehr oder weniger ein Anhängsel der Finanzmächte darstellt (in dieser Beziehung ist auch der Vatikan nicht mehr was er einst gewesen), lässt Politiker von heute in dieser Beziehung tolerant reagieren. Indessen hat diese Toleranz durchaus auch ihre Grenzen und allzu laut darf die Kirche Roms sich in die politischen Prozesse eben nicht einmischen und vor allem darf sie dabei nicht gucken lassen WIE reaktionär sie es eigentlich meint.

Es hat nicht an Versuchen gefehlt, die katholische Kirche insbesondere vom Vorwurf freizusprechen, eine reine Machtinstitution zu sein. Einige der Apologeten mögen auch persönlich davon überzeugt sein, dass es sich anders verhält, nur: die Wahrheit ist, es verhält sich eben SO und daher sind all diese Versuche denn auch zum Scheitern verurteilt. Es handelt sich, und das beweist die gesamte Geschichte dieser Kirche, eben nicht um die Geschichte eines geistigen Phänomens, sondern um die Geschichte einer ideologischen Gruppierung genannt Christentum, das man nicht zu verstehen hat als "Gefolgschaft des Neuen Testamentes", sondern als eine historisch gewachsene Institution. Christentum ist, was heute als Christentum dasteht. Daher gibt es kein wahres und kein falsches Christentum, sondern nur verschieden akzentuierte Existenzweisen desselben. Im Übrigen ist Machtorientiertheit nicht auf die katholische Kirche beschränkt - die byzantinische tat es ihr in ihrer Glanzzeit durchaus gleich und die protestantischen Strömungen haben in dieser Hinsicht auch nichts anbrennen lassen, wenn sie konnten. Aber in der katholischen Geschichte tritt das alles am offensten und bis in unsere Tage auf, sodass sie das beste Paradigma darstellt, das man in dieser Beziehung haben kann.

Ein weiterer Schritt der Reformen war die weitestgehende Ausschließung der "Laien" aus der eigentlichen Kirche, die sich mehr und mehr allein als eine "Kirche der Kleriker" begriff. Nur noch zu Ostern hatten die Laien sich pflichtgemäß in ihrer Pfarrkirche einzufinden, was sie den Rest des Jahres über taten, blieb ihnen überlassen. Die Kommunion, das zentrale "Sakrament" der Kirche wurde ihnen mehr oder weniger genommen, wenn auch nicht verboten. Aber nur Ordensleute und Priester sollten und durften regelmäßig kommunizieren - die Laien sollten der Messe allenfalls andächtig beiwohnen und sich möglichst nicht beteiligen. Man legte keinerlei Wert darauf, dass die Laien das Christentum auch verstanden. Wenn sie es duldeten, wenn sie sich selbst, da getauft, als Christen ansahen, sollte das genügen. Auf diesem Hintergrund werden dann auch die Massentaufen der Konquistadoren in Amerika verständlich - sie wussten es als Laien nicht besser als dass dies genügte, Wilde in Christen zu verwandeln. Die frommen Brüder, die sie bei sich hatten, waren bereits seit Generationen in jenem Hochmut des klerikalen Christen gegenüber den Laien erzogen und machten sich entsprechend nichts daraus, das Sakrament im magischen Sinne anzuwenden - sie selbst waren ja durch und durch magisch erzogen. Ex opere operato - dieser Satz besiegelt das magische Sakramentsverständnis des Christentums, denn er besagt: Sakramente sind, wenn rituell richtig vollzogen, auch wirkmächtig, die Integrität der Person oder das Verständnis des Vollziehenden ist nicht notwendig.

Dieser Satz ist nicht von ungefähr propagiert worden, sondern stammt aus der Hochzeit des Katholizismus, als "die Kirche" sozusagen das Synonym für europäisches Wesen war. Er ist aber auch ein Armutszeugnis, denn er gesteht, dass der zölibatäre Priester, der engelgleiche Kleriker eben doch nur ein Mensch ist und ein Sünder dazu. Er markiert das Ende und den Fehlschlag der großen Reformen, denn das Ziel derselben gelang nicht: die Kirche wurde keine Mönchskirche. Die Investition in die Orden erwies sich als Fehlschlag. Zentrale Figur der Kirche blieb der Priester, der ob Ordensgeistlicher oder nicht auf jeden Fall allein der Gemeinde gegenüber trat. Hätte die Kirche diesen Anspruch nicht erhoben, hätte sie den Laien nicht derart in den Hintergrund ihrer Überlegungen geschoben, so wäre ein solches Eingeständnis sicher kein Kritikpunkt, denn Menschen sind wir alle und daher fehlbar. Aber die Kirche HATTE sich in corpore über alles Menschliche zu erhöhen gesucht und daher war das Einräumen von Versagensmöglichkeiten bereits eine unverzeihliche Sünde.

Das zweite Ziel der Kirche gelang ebenso wenig. Die Kirche wurde auch keine Kirche des Zölibates, denn die zur Ehelosigkeit und zum Sexualverzicht gezwungenen Priester suchten sich verschwiegenere Möglichkeiten, das nicht Verzichtbare zu leben. Homosexualität, Missbrauch und Doppelmoral griffen mehr und mehr um sich und die Literatur des Mittelalters ist voll von bösartigen oder auch gutmütigen Anspielungen auf den geilen Pfaffen und den schwulen Mönch oder die sexuell entgleiste Nonne. Es gelang so sehr nicht, dass sich am Ende unserer Betrachtungsperiode Papst Alexander VI mit seiner gesamten Familie, Mätresse und Kindern inbegriffen, porträtieren ließ. Zudem gab es zu dieser Zeit kaum noch einen Bischof, der ohne Konkubine lebte und wie es auf dem "flachen Lande" aussah, davon berichten die Humanisten mit schadenfrohem Vergnügen.

Nicht einmal das dritte Ziel gelang: die theologische Bildung der Kleriker blieb zweifelhaft, das magische Verständnis der Religion blieb dominierend. Was sollte man auch von Kirchenfürsten erwarten, die oft mit zehn und weniger Jahren in ihre Ämter eingeführt wurden. Ämter und Würden wurden wie bisher verschachert, was früher die Reichsfürsten besorgt hatten, das besorgten nun die Bischöfe, Kardinäle und die Päpste selber. Alles, was gelang war eine einheitliche Messordnung einzuführen, die Riten zu vereinheitlichen und das Glaubensbekenntnis. Ob man fürder in Bordeaux zur Kirche ging oder in Uppsala, man begegnete immer dem gleichen Ritus und den gleichen Worten, hatte es immer mit den gleichen Paramentenfarben zu tun und Ostern wurde überall am gleichen Tag gefeiert.

Ach, übrigens - auch die Vernichtung der Häresie war misslungen, vielmehr hatte sich die Häresie in die Kirche selbst zurückgezogen und was man den Katharern nicht geglaubt hatte, das glaubte man dem Heiligen Franz. In seiner wie in der Nachfolge der Katharer bildeten sich überall in Europa Laiengemeinschaften, die erst nach und nach zu Orden wurden, wie die Beghinen und Begharden und die franziskanischen Terziarier , aber auch rein innerweltliche wie die Kalandsbruderschaften und dergleichen. Es entstand, von diesen Laien getragen, eine ausgeprägte Wohltätigkeit die Krankenhäuser, Pilgerherbergen, Asyle, Schulen und Altenheime betrieb. Waren die Laien also vom kultischen Leben ausgeschlossen, so ließen sie sich von den evangelischen Pflichten und der Bergpredigt ganz und gar nicht ausschließen und kamen nach und nach zu einem Christentum des Neuen Testamentes anstelle des normativen Christentums der Traditionen. Auf diesem Boden entstanden dann die neuen "evangelischen" Bewegungen, ausgehend von den Waldensern über die gleichzeitigen Humiliaten zu den "böhmischen Brüdern" den friedfertig gewordenen Nachfahren der Hussiten, um nur die großen Bewegungen zu nennen. Immer wieder veranstaltete Übertragungen des Neuen Testaments in die Landessprachen und - dialekte taten ein Übriges, solche Bewegungen immer wieder anzufachen, denn: die Tradition der Kirche berührte sich mit den Intentionen des Neuen Testamentes nur sehr wenig. Die Bergpredigt ist beim besten Willen nicht überein zu bringen mit dem Corpus Iuris Canonici.

Gelungen war hingegen die erneute Durchsetzung des päpstlichen Primats. Kein König oder Kaiser, kein Ordenshaupt, kein Konzil konnte diesem Papst etwas anhaben. Er war der unumschränkte geistliche wie zu einem großen Teil auch weltliche Herrscher der Christenheit, denn der Vatikanstaat umfasste damals ansehnliche Teile Italiens und dazu kamen die vom Vatikan als zeitliche Lehen ausgegebenen Territorien. Die Welt war christlich, weil sie päpstlich war. So zog das Jahrhundert der Umwälzungen herauf. Dabei waren die Umwälzungen eigentlich Missverständnisse, denn die Christenheit musste nicht reformiert werden - sie war christlich so wie sie eben war. Der (abgesetzte) erste Johannes XXIII, Alexander VI und Albrecht von Mainz gehören ebenso zu diesem Christentum wie Benedikt von Nursia und Domenico Guzman. Sie alle sind legitime Möglichkeiten, Christ zu sein, denn sie alle lassen sich theologisch auf irgendeine Weise begründen, haben sich selbst auf diese Weise begründet und man sollte diese Selbstbegründungen keineswegs vom Teppich kehren - sie sind insgesamt gültig und bezeichnen das, was im Christentum möglich und vertretbar war. Sollte uns das heute nicht gefallen, so ist das eine andere Sache. Dasselbe gilt übrigens für die Bildungs- und Wissenschaftsmisere des Mittelalters. Diese Entwicklung ist als genuin christlich anzusehen - weder der Islam noch das Judentum oder gar die gnostischen Strömungen denken hier gleich. Sie alle messen dem menschlichen Wissensdrang und der Erforschung der Welt Bedeutung bei - nur das Christentum muss in dieser Beziehung immer wieder Kompromisse machen, denn seine Ideologie bezieht sich nur auf die eigenen Vortrefflichkeit. Der Christ, so heißt es, braucht keine Wissenschaft, allenfalls braucht er Frömmigkeit. Jede andere Haltung ist nicht christlich, auch wenn sie von Christen praktiziert wird.


Geist des Mittelalters

Die großen Reformen brachten also nichts als die politische Legitimation der Kirche in der mittelalterlichen Welt und sie konnten auch nichts anderes bringen. Diese politische Legitimation aber war dergestalt, dass sie das funktionale Element Kirche unbedingt und zu ungunsten des inhaltlichen Elementes Christentum herausstellte. Inhaltlich war diese Kirche ein "getünchtes Grab", aber war sie denn jemals mehr gewesen? Doch, wenn man sie auf das Neue Testament bezog, konnte sie zumindest mehr sein, denn dieses atmete an vielen Stellen noch den lebenspendenden Geist des historischen Jesus. Wenn man aber, wie die Kirche im Mittelalter, ausgerechnet dieses sozusagen "unter die Bank" packte, beraubte man sich des einzig noch möglichen Fundamentes. Man bewirkte damit, dass der "Glauben" sich aushöhlte und verwilderte und endlich in Unwissenheit zusammenbrechen würde. Übrigens waren an dieser Unwissenheit auch die Orden, auch die Geistlichkeit beteiligt. Diese Geistlichkeit wie die Orden galt als a priori privilegiert und als unkontrollierbare Elite. Sie stellten die eigentliche Kirche dar, der die Laien nur zuarbeiteten und sie als den "Gottesstaat" materiell versorgten. DAS war ihre Aufgabe und sonst nichts.

Aber da niemand diese gottesstaatliche Elite, dieses Himmelreich auf Erden mehr beaufsichtigte verkam es sehr schnell zur Farce. Es war kein geistliches Reich mehr, sondern ein höchst weltliches, das behauptete, geistlich zu sein, aber nicht zu sagen wusste, was das wäre. Viele Geistliche standen was ihre Kenntnisse über das Christentum anging auf gleicher Stufe wie die Laien, hatten auch nicht den Ehrgeiz das zu ändern, denn die Mitra machte den Bischof, nicht die Gelehrsamkeit.

Das bedeutet nicht, dass alle damaligen Geistlichen ungebildete Dummköpfe waren - es gab in dieser Zeit reichlich bedeutende Theologen und viele "Geistliche" von denen Theologie kaum zu erwarten war, galten berechtigterweise als glänzende Kenner dessen, was an antiker Literatur und Wissen überkommen war. Da Wissen nicht unbedingt die Basis originären Denkens ist, gab es in dieser Zeit viele originäre Denker, die Gott und Welt auf durchaus eigenständige Weise begriffen. Es gab Fromme und es gab messerscharfe Dialektiker, es gab Analytiker und es gab Mystiker. Die Welt des Mittelalters ist geistig eine Wüste, die durchaus Oasen kannte. Freilich kann in einer Oase nur keimen, was die Wüste an Samen bereit hält und so erscheint der unstillbare Drang des Menschen zu denken oft in skurrilen Problemstellungen.

Im Ganzen bleibt aber dies: wir haben es mit einer Zeit zu tun, in der die wenigsten sich angetrieben sahen, Menschen, Welt und Gott wirklich zu durchschauen. Wir haben es mit einer Zeit zu tun, in der solch Bestreben als verwerflich galt und sogar Angehörige der geistlichen Elite mussten sich, wenn sie originell dachten, bald des Verdachtes der Ketzerei erwehren. Wir haben es mit einer Zeit zu tun, in der alles, was nicht für die Kirche instrumentierbar war, unterdrückt und wo immer es möglich war, ausgerottet wurde - Menschenleben spielten dabei keine Rolle, und die Sentenz. "Gott wird die Seinen schon herausfinden" war nicht ironisch gemeint. Man vertraute vielmehr darauf, dass das so sein würde. Denn "Gott" war alles, was man selbst nicht war, nicht sein wollte und nicht sein konnte. ER war der Lenker aller Dinge und wenn er seine Kirche so bestehen ließ wie sie war, dann konnte das nur bedeuten, dass diese Kirche so in Ordnung war. Dann hatte sie auch ein verbrieftest Recht, mit ihren Ketzern zu verfahren wie sie tat. Dann war es richtig, die Laien draußen zu lassen. Dann machte es nichts aus, wenn Zehnjährige Kardinäle wurden und Priester, Äbte, Bischöfe und Päpste im offenen Konkubinat lebten. Dann machte es nichts aus, wenn Frauen als Hexen verbrannt wurden. ER wehrte dessen ja nicht, also billigte er es. Wenn die Kirche die Ketzer hatte überwinden können, dann weil ER das auch gewollt hatte. ER war es, der geistige Neuerungen nicht wollte, die Kirche führte das nur für ihn aus als sein Arm auf Erden. Wenn der Investiturstreit zugunsten des Papstes ausgegangen war, so war das ein sichtbares Zeichen dessen, dass die Kaiser auch gegen Gott im Unrecht gewesen waren und das Strafgericht über die Staufer zum Beispiel geschah ganz zu recht.

Wir dürfen nicht vergessen, dass das Mittelalter in dieser Beziehung sehr fromm war und dass die elitären Priester nur den Laien gegenüber elitär waren - nicht ihrem Gott gegenüber. Hätte er das, was da geschah, nicht durch sein Zulassen gebilligt, sie hätten es sich zweifellos überlegt. Es gab immer auch Stimmen, die warnten und Alternativen vorschlugen, aber: da Gott die drakonischen Maßnahmen der Kirche nicht hinderte, hatten die Alternativen als Stimmen des Satans zu gelten und zu verstummen.

Übrigens erging es der byzantinischen Kirche in dieser Zeit nicht viel anders. Auch sie bekam ihr Mittelalter, den trügerischen Eindruck, die im Auftrag Gottes herrschende Macht zu sein - für ihre Hemisphäre der bekannten Welt. Aber sie erlebte dieses Mittelalter anders. Hier war die gesamte griechisch - römische Tradition ins Mittelalter einbezogen und auf ihrer Grundlage ergab sich eine ganz andere Gestaltung dessen, was ein Gottesreich zu sein hätte. Indessen finden wir auch hier brutale Machtpolitik und den Grundsatz: was Gott nicht verhindert, befürwortet er. Die byzantinische musste anders als die westliche Kirche um ihre Existenz nie fürchten. Von Anfang an war der orthodoxe Patriarch von Konstantinopel neben dem Kaiser unangefochtenes Oberhaupt dieser Kirche. Über ihm stand, als sozusagen irdischer Stellvertreter Gottes der Kaiser, der ihn wenigstens de jure kontrollierte und in inhaltlich theologischen Streitigkeiten schlichtend beriet. Über die innere Organisation der Kirche hingegen hatte er nicht zu befinden, daher gab es in dieser Beziehung auch keine Streitigkeiten. Der einzig existierende Mönchs- und Nonnenorden, die Basilianer, waren bald in die Kirche integriert worden, nachdem man das erste Auftreten des Ordens noch misstrauisch beäugt hatte. Nun rekrutierten sich Bischöfe des öfteren aus dem Orden statt aus dem Weltklerus und missliebige Gattinnen oder überzählige Töchter, auch Witwen, fanden Obdach bei den Basilianerinnen. Mönch zu werden galt in der östlichen wie in der westlichen Kirche als Ehre, und es war üblich, dass Kaiser als Mönche starben und begraben wurden - diesseits und jenseits des adriatischen Meeres.

Indessen hatte auch die byzantinische Kirche ihre Herausforderungen zu bestehen. - Zwar stand es um die theologische Ausbildung weitaus besser als im Westen. Die Familien der Popen saßen nicht auf Privatbesitz, sondern auf Gütern der Kirche, die sie auf Lebenszeit nutzen konnten, die nach ihrem Tode aber nicht an die Erben, sondern an die Kirche fielen. Die Kinder der Popen mussten also befähigt werden, auf eigenen Beinen zu stehen und eigene Familien gründen oder sie mussten ins Kloster gehen, wo sie entweder lebenslang versorgt oder für die Nachfolge im Amt des Vaters ausgebildet wurden. Ob das dann auch so wurde, bestimmte der nächste Vorgesetzte. Aber dennoch gab es auch im byzantinischen Raum Dinge, mit denen man fertig werden musste. Da waren die aus der Urzeit der Lehre Jesu überkommenen Gemeinschaften in Anatolien, in Bosnien und Mazedonien. Diese Gemeinschaften hatten sich in ihren Rückzugsgebieten durchaus verfestigt und ihre Fühler bis nach Konstantinopel hinein ausgestreckt. Sie einfach gewaltsam zu unterwerfen ging nicht an. Man musste sie ideologisch mattsetzen und das war nur möglich indem man sie überbot. Daher verzichtete man auf die Verteufelung der antiken Literatur und des antiken Wissens, denn die Dissidenten verzichteten nicht darauf. Daher erhob man den Kult der Gottesmutter in schwindelnde Höhen, denn in den Gemeinschaften spielte das "weibliche" Element eine bedeutende Rolle. Daher baute man aber auch den Ritus der Kirche immer prächtiger aus, denn der Ritus der Gemeinschaften war äußerst karg und hier lag also ein bedeutendes Werbepotenzial. Daher förderte man das Ikonenwesen, denn die Gemeinschaften hielten sich in Sachen Anschaulichkeit äußerst bedeckt - die Kirche hingegen zeigte die Heiligen und das Himmlische, so verstand man sich, leibhaftig. Daher verhielt man sich der Mystik gegenüber äußerst tolerant, denn für einen frommen Laien ist es so gut wie unmöglich, Mystik von Erkenntnis zu unterscheiden. Daher förderte man, anders als im Westen, das Wunder als "des Glaubens liebstes Kind". Anders als im Westen, wo die Offenbarungen Gottes nach allgemeinem Einvernehmen mit dem Erscheinen Jesu und der Apostel aufgehört hatten, war in der Ostkirche jede Art von Offenbarung nach wie vor möglich und Gott stets präsent. Daher galten auch die Briefe der ersten Apostelschüler wie auch die späteren Erkenntnisse von Konzilien und Lehren einzelner Bischöfe als "heilige Worte". Zwar standen sie im Rang den Evangelien durchaus nach, aber auch in ihnen offenbarte sich - in den Grenzen des Notwendigen - der Geist Gottes. Die westlichen Kirchenlehrer indessen repräsentierten immer nur ihr mehr oder weniger tiefgreifendes Verständnis der christlichen Lehren, so die Lesart des Westens.

Das Mittelalter der Ostkirche war das Mittelalter der griechischen Antike. Kam der Gott der Antike in Prozession aus seinem Heiligtum gezogen, so war es nun die Ikone, in welcher der Gott oder der Heilige in Person gegenwärtig erschien. Gründeten in der Antike die Mystiker neue Religionen, so gingen die Offenbarungen der Mystiker nun in den Besitzstand der Kirche insgesamt ein und bereicherten die eine Religion. Strebte ein Mensch der Antike durch Erkenntnis nach dem Leben in beiden Dimensionen, so strebte ein Mensch des ostkirchlichen Mittelalters nach Sublimierung seines irdischen Lebens durch das Mitleben in der "überirdischen" Welt. An die Stelle des Opfers für den Kaiser war das Gebet für den Kaiser getreten, und die Muttergottes war in einer Weise "große Mutter". dass sie in einem berühmten byzantinischen Dankgebet geradezu als "glorreicher Herrscher" angesprochen werden konnte. Das westliche Mittelalter strebte zu seinem Gott hin - im östlichen war dieser Gott sozusagen ständig gegenwärtig. So wurden inmitten dieser allgemein mystischen Atmosphäre die Gegenbewegungen auf ein der Kirche insgesamt ungefährliches Maß begrenzt und so konnte sich ein Niketas als Vorsteher der bogomilischen Gemeinde in Konstantinopel ungefährdet bewegen. Man musste mit ihm nicht mehr rechnen.

Wo indes diese Gegenströmungen sich nicht beeindrucken ließen, konnte man auch sehr ungemütlich werden - so ist es zu erklären, warum sehr viele bosnische, dem Namen nach orthodoxe Christen nach der Eroberung Bosniens durch die Türken unaufgefordert und freiwillig Muslime wurden. So ist auch zu erklären, warum sie stets sehr liberale Muslime blieben und warum die bosnische orthodoxe Kirche seit jeher einige seltsame Besonderheiten hat. Hier war die bogomilische Gegenbewegung stark gewesen, hatte außer Bosnien auch noch Makedonien erfasst und war nach Bulgarien eingeströmt, so intensiv, dass die Spätgnostiker Europas oft durchweg als "Bulgaren" bezeichnet werden. In Bulgarien wurde die Bogomilenkirche dann Staatsideologie - nicht so sehr weil man sie inhaltlich präferierte sondern als Gegengewicht und Gegenakzent des selbständigen bulgarischen Kaiserreiches gegen das übermächtige Byzanz. In Anatolien indessen begnügte man sich damit, die dort in den Tuffsteinhöhlen von Göreme ansässigen "Urchristen" langsam zu "überfremden". Das gelang durch einen historischen "Treppenwitz" welcher der Kirche zu Hilfe kam, auch überraschend schnell. Es kam nämlich dazu, dass die "Bilderstürmer" von Byzanz, nachdem sie in der Hauptstadt gescheitert waren, Zuflucht in Göreme fanden - noch heute künden einige Kapellen von diesem Umstand. Mit ihnen sickerte aber auch byzantinisches Glaubensgut in die "urchristlichen" Gemeinschaften ein und obgleich sie ihre oppositionelle Haltung zu Byzanz bewahrten, wurden sie diesem inhaltlich unter der Hand "angeformt". Als dann die byzantinischen Missionare kamen, fanden sie bereits keine Urchristen mehr, sondern im Grunde orthodox ausgerichtete Christen, denen sie nur noch erklären mussten, dass Erkenntnisstreben und orthodoxe Mystik im Grunde dasselbe wären - und die ehemaligen Paulikianer fingen an, ihre Kapellen mit allen notwendigen Ikonen zu bemalen.

Da das kirchliche Leben in Byzanz anders als im Westen den ganzen weltlichen Alltag durchdrang hatten aber auch theologische Auseinandersetzungen eine ganz andere Relevanz als im Westen. Sie waren hier nicht "akademisch", sondern betrafen das öffentliche Leben ganz allgemein. So war der Bilderstreit nicht einfach nur eine Kultreform sondern ein gesellschaftlicher Umsturz erster Güte, in dem die Byzantiner keineswegs auf seiten der Bilderstürmer standen, sondern sich ihre angestammte Verbindung mit dem Göttlichen, sozusagen ihr "Telefon" mit dem Jenseits, denn das waren die Ikonen für den byzantinischen Untertan, eben nicht nehmen lassen wollten. Die Bilderstürmer waren höchst unpopulär und konnten sich nicht durchsetzen. Alles WAS sie gekonnt haben, war, die frühbyzantinische Kunst so gut wie ganz zu vernichten. Gleichermaßen gesellschaftlich relevant war der sogenannte christologische Streit, dessen Spitzfindigkeiten heute zum Schulbeispiel dafür dienen, wie man Dogmatik betreibt. Indessen rührten diese Spitzfindigkeiten seinerzeit an genau den Nerv, der die vom Christentum nur adaptierte antike Frömmigkeit der Griechen berührte - wenn der Heros nicht gottgleich sein durfte, war die ganze Religion nichts wert. Wenn er nicht menschengleich sein durfte, war seine Rolle als Heros vertan, denn ein "Gott" kann einem Menschen nicht wirklich helfen, dazu sind beider Seinsweisen (Epikur lässt grüßen) zu unterschiedlich. Nur ein real menschgewordener Gott kann das Menschliche zum Göttlichen erhöhen, und das genau fand im byzantinischen Glauben nämlich statt. Beide Naturen Christi, die göttliche und die menschliche mussten also als solche real sein und keine hatte das Übergewicht über die andere zu beanspruchen. Solange Jesus auf Erden weilte, war er ganz und gar Mensch - in allem anderen und von seiner Substanz her aber ganz und gar Gott. So waren, nebenbei gesagt, die Juden in der griechischen Kirche nicht "Gottesmörder", sondern eher Vollstrecker des göttlichen Willens; dass es später in der orthodoxen Welt doch zu Pogromen kam, hat andere Gründe. Im Großen und Ganzen (das zaristische Russland und die Ukraine des neunzehnten Jahrhunderts ausgenommen) ist es in der griechischen Welt auch kaum zu Übergriffen gekommen, wohl aber zu ausgeprägten Gemeindebildungen der Juden.

Eine andere ausgeprägte Volksbewegung die aus religiösen Gründen entstand ist die mit dem christologischen Streit verbundene Theotokos - Bewegung. Schon lange zuvor wurde Maria in der byzantinischen Welt als Gottesgebärerin verehrt - eine Reminiszenz an eine Tradition, die besonders in Syrien und Kleinasien von alters mit der "Großen Mutter" der "Herrin" an sich verbunden war. Aber weil es so war, haftete dieser Verehrung auch noch immer etwas "Heidnisches" an und man durfte nicht allzu laut dabei werden, auch wenn das Faktum selbst weithin unwidersprochen war. Als man sich aber 431 in Ephesus versammelte, um über die Natur Christi abschließend zu entscheiden, da stand auch die Frage zur Debatte, ob denn, entsprechend der Entscheidung, Maria als "Gottesgebärerin" werde verehrt werden dürfen oder nur als Mutter Christi. Die Entscheidung fiel zugunsten der Göttlichkeit Christi als "wahrer Mensch und wahrer Gott" und also auch zugunsten der "Gottesgebärerin" Maria. Der Jubel der vor der Marienkirche in Ephesus wartenden Menge (am Ort des ehemaligen Dianatempels errichtet) soll unvorstellbar gewesen sein.

Aber auch Byzanz musste seinem Alleinvertretungsanspruch gegenüber den anderen Patriarchaten Tribut zollen - sogar einen schwereren als die westliche Kirche. Die Kirchen von Syrien und Ägypten nämlich erkannten seine Vormachstellung nicht an und so spalteten sie sich von der byzantinischen Kirche ab und gründeten eigene, deren Patriarchen den von Konstantinopel nicht als ihr Oberhaupt, sondern als gleichwertigen Kollegen betrachteten. Der Patriarch von Jerusalem und der von Athen blieben bei Konstantinopel und unterwarfen sich - beide taten politisch gut daran, denn ihnen fehlte, was die Syrer und die Ägypter hatten: ein autarkes Hinterland. Man erinnere sich - im Westen hatte es zwar auch Querelen ohne Ende, aber keine Kirchenspaltung gegeben.

Hinfort war der gesamte Nahe und Ferne Osten Missionsgebiet der Syrer und dem byzantinischen Einfluss entzogen, während Ägypten für die afrikanische Mission tonangebend werden sollte - Nubien und Äthiopien sind ebenso von dieser Kirche aus missioniert worden wie der Sudan. Ob die ägyptischen Missionare weiter vordrangen als bis dahin wissen wir heute nicht mehr, da die Spuren von der späteren islamischen Invasion Afrikas zugedeckt worden sind. Aber wohl selbst in Timbuktus Universitäten sind christliche - koptische - Schriften vorhanden, warum sollten nicht auch Christen dort vorhanden gewesen sein, zumal die Kopten die schriftliche Duldung Mohammed selbst besaßen - und besitzen; sie besitzen in der Tat das einzige Dokument der Welt von Mohammeds Hand - oder wenigstens mit seinem Zeichen, denn Mohammed selbst konnte wohl nicht lesen und schreiben. Für Vergessliche: die Eroberung Ägyptens unter al Am'r al As erfolgte noch zu Lebzeiten Mohammeds im siebenten Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Zu dieser Zeit war Ägypten bereits seit Jahrhunderten eigenständig christlich.

Die Syrer missionierten in Persien, in den innerasiatischen Reichen bis nach China und in Indien. Dabei ist zu beachten, dass sie sich mit ihrer Tradition auf den "Apostel" Thomas beriefen, der als erster, so behaupteten sie, Asienmission betrieben habe. Sie betrachteten diesen Mann, auf den die erste Gemeinde in Antiochia zurückging, außerdem als ihren Patron. Dass seine Gemeinde und die syrische Kirche nicht mehr viel gemeinsam hatten, übersahen sie füglich. Arabien war, was die christliche Infiltration anging, zwischen Kopten und Syrern geteilt. Mohammed jedenfalls scheint sein christliches Wissen in der Hauptsache Äthiopiern, also Kopten zu verdanken. Vielleicht haben wir in ihnen die "sabäischen Christen" zu sehen, von denen der Koran spricht. Saba ist in der Überlieferung stets gleichgesetzt worden mit dem heutigen Jemen.

Ausgeglichen wurden diese Verluste durch Gewinne im Norden und Westen. Die Bulgaren nahmen in der Konsequenz ihrer Unterwerfung durch Byzanz das orthodoxe Christentum an, desgleichen die im ehemaligen Dakien siedelnden Stämme und endlich wurde die Ukraine, also das nördliche Grenzland von Byzanz, christlich. Von der Ukraine aus wurde dann Russland missioniert. Das illyrische Land und Pannonien blieben im Zwischenbereich zwischen orthodoxer und römischer Kirche und beiden Einflussbereichen offen. 1453 fiel Byzanz, nachdem es seine Territorien fast alle an die Türken verloren hatte, dem Islam anheim. Damit ging die Geschichte der byzantinischen Kirche als einer gesellschaftsbestimmenden Institution zu ende, aber die byzantinische Kirche als solche hörte nicht auf zu existieren. Der Schwerpunkt der östlichen Kirchengeschichte verlagerte sich nunmehr nach Norden, nach Kiew und später nach Moskau. Aber das gehört zum größten Teil bereits zur Kirchengeschichte der Neuzeit.

Was den Geist des Mittelalters aber angeht so scheint es, als habe Europa, und zwar in Gänze, seine materiellen Fesseln abwerfen wollen. Im Osten wurde das Leben schlechthin wie es war "vergottet" und sublimiert, im Westen wurde es als substantieller Bestandteil der Existenz negiert und alles verachtet, was sich alltäglichen weltlichen Verrichtungen widmen musste. Der zweite und der dritte Stand waren dem ersten, der Geistlichkeit, turmhoch unterlegen und das nicht einmal vom intellektuellen Potenzial her, sondern von vornherein. Im Osten war alles geistlich zu verstehen, im Westen außer dem Geistlichen nichts wirklich gültig. Dass es so nicht geht, liegt auf der Hand. Aber wenn man daran vorbei sieht, kann man viele Konflikte zwischen Kirche und Welt dieser Zeit nicht verstehen. Man kann die dezidierte Wissenschaftsfeindlichkeit der westlichen Kirche nicht verstehen, die in dieser Zeit ihren Anfang nimmt und bis ins neunzehnte, ja bis ins zwanzigste Jahrhundert andauert, wenn man nicht bedenkt, dass diese Kirche sich von ganz anderer Stelle Aufklärung über die Welt erhoffte, als von den Akademikern. Sie wollte all das im Gegenteil von sich abtun um sich einer anderen Wahrheit zu öffnen. Überall wo sie das heute noch tut wartet sie im Grunde auf die alte Offenbarung. Dass eine solche indes kommen muss, war ihr in dem Augenblick klar, als die Katharer anfingen, ihr ihre eigene Bibel zu erklären. Sie begriff und begriff im selben Moment wie wenig sie auf eine solche Offenbarung vorbereitet war. Sie begriff, wie wenig sie über sich selbst wusste und wie schlecht sie sich selber verstand - daher mussten die Katharer als Mahner zur Unzeit erscheinen und als Verderber aller Möglichkeiten und daher mussten sie weg - ja, man hatte die Botschaft verstanden und benötigte ferner den Boten nicht mehr, denn der trat viel zu selbstgerecht auf.

Die Katharer selbstgerecht? Nun, von außerordentlicher Demut zeugt ihre Polemik gegen die Kirche gerade nicht. Sie waren auch nicht sehr bescheiden, wenn sie von sich behaupteten, nur sie könnten die heiligen Schriften der Christenheit wirklich auslegen. Sie hatten wie wir wissen reichlich wenig dagegen, den Mächtigen der Welt zur Hand zu gehen. Und sie hatten recht!

© Juliane Bobrowski
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Beitragvon Merit » So 3. Mär 2013, 09:29



Jesus hatte viele Schüler. Darunter waren überragende, talentierte, aber auch solche, die zwar den „Meister“ der Schule glühend verehrten, aber von dessen Lehre nichts begriffen. Einer dieser Schüler war Simon, den sie „Petros“ nannten und sie meinten das nicht etwa als ein Kompliment für seine Standhaftigkeit, sondern eher als Vergleichsnorm für seine Sturheit.

Denn dieser Simon (oder bleiben wir der Gewohnheit halber bei Petrus) war ein „Superjude“. Er stand jenen Sekten nahe, die Josephus als Zeloten beschreibt: sie glaubten an einen verheißenen Messias – Erlöser des Volkes Israel, der vom Himmel kommen und dieses zur Weltherrschaft führen würde. Aber wohl gemerkt, dieser Erlöser sollte Gott nicht gleich sein, er sollte sozusagen nur in seinem Auftrag handeln. Und die Zeloten wollten ihm durch Frömmigkeit und ihre Taten den Weg bereiten. Deshalb kämpften sie gegen die Römer, aber auch gegen alle Juden, die ihrer Meinung nach zu laxe Juden waren oder die gar mit den „Heiden“ kollaborierten. Kurzum, es waren Terroristen reinsten Wassers, diese Zeloten. Sie waren gegen alles, was nicht war, wie sie selbst und sie begnügten sich nicht mit der Meinung, sie begingen entsprechende Morde. Sie waren die „Taliban“ Israels und es gab sie seit den Tagen der Makkabäer, also nicht erst seit dem Auftauchen der Römer, die zu Jesu Zeit in Israel ja noch nicht allzu viel zu melden hatten. Damals herrschte Herodes der Große und hielt die Römer auf Abstand. Aber es gab gerade damals viele Juden, die es nicht so ernst nahmen mit dem Kultgesetz, die Zeloten aber nahmen es furchtbar ernst damit, sogar ernster als die Pharisäer.

Jesus, der Neffe des Herodes, war sicher eine bemerkenswerte Persönlichkeit – nicht so sehr von seinem Äußeren her, er soll klein gewesen sein und krausköpfig und ziemlich zappelig, es gibt in Poreς, am Triumphbogen der Euphrasiusbasilika noch eine inzwischen selten gewordene Darstellung, aber seine Ausstrahlung soll fasziniert haben. Spottlust und Weisheit paarten sich in ihm ebenso harmonisch wie Ironie und Güte, aber auch zu scharfen und zündenden Entgegnungen war er bereit und fähig, kurzum: Simon erlebte ihn und war hingerissen. Von dem, was er sagte, verstand er zwar nichts, aber fortan beherrschte der Mensch Jesus das Zentrum seines Lebens. Das musste, dachte er bei sich, der Messias sein... und er war auch aus königlichem Blut, denn Herodes, obgleich nur ein Jude zweiter Klasse war König Israels. Aber wie gekonnt Jesus über seine Herkunft spottete, ohne dabei jemanden zu verletzen... das war mehr als Simon dem menschlichen Maß zutraute. „Warum seid ihr hinaus gekommen…“ na klar wollten sie einen in weichen Kleidern sehen, als sie hinaus kamen und dieser Jesus macht sich darüber lustig, aber jetzt, wo sie ihn sehen, finden sie ihre eigene Absicht auch lustig. Denn der da wäre auch in Sack und Asche viel bedeutender als Herodes in Samt und Seide. Kurzum. Simon war Jesus mit Haut und Haar verfallen, und dabei war er auf alles und alle eifersüchtig, die Jesus näher standen als er selber.

Dann begeht Jesus einen Übergriff auf den Tempel und muss fliehen. Wohlgemerkt, es ist der alte Tempel Salomos, errichtet auf Geheiß Jahwes, in dem das passiert, nicht der Tempel des Herodes. Er hatte die Tage der Babylonier, die der Perser und die der Griechen wenn auch arg ramponiert überstanden und er stand immer noch, aber irgendetwas Schreckliches war geschehen und Jesus war auf einmal zu Schiff davon. Seine Schüler begleiteten ihn oder blieben in Israel, darunter auch Simon. Er fand, von den Juden in Israel verfolgt, eine neue Wirkungsstätte in Samaria, wo man die Begeisterung für den Messias Jesus teilte... man hatte ihn dort wohl oft erlebt, denn Samaria gehörte zu den von Herodes vorrangig geförderten Landstrichen in Israel und Jesus wird sich dort oft aufgehalten haben. Die alte Antipathie gegen die Jerusalemer Judenheit tat ein Übriges, dass Simon mit seiner Interpretation ein positives Echo fand.

Von einer Kreuzigung war damals selbstverständlich noch nicht die Rede, sondern Jesus wurde als der Messias aus königlichem Geschlecht verehrt, der von den Juden Israels vertrieben, aber von Simon erkannt worden war. Daher galten die Juden Israels den Samaritanern als von Jahwe verworfen – was die natürlich nicht auf sich sitzen ließen, denn auch in Israel gab es nach Jesu Flucht Gemeinschaften, die nach seiner Lehre zu leben versuchten, was sie immer wieder in Konflikt mit dem pharisäischen Judentum brachte – aber auch mit der neuen jüdischen Sekte des Simon, denn die Leute um Jerusalem sahen in Jesus nicht einen Messias, sondern nur einen Lehrer, dessen Lehre sie folgten, dessen Person aber hinter seiner Lehre absolut zurück trat – er war eben der, den es gegeben hatte, der aber verschwunden war und auf den es persönlich nicht ankam. Leiter dieser Gemeinschaft waren Judas und Jakobus. Judas musste nach 6 unserer Zeitrechnung das Land ebenfalls verlassen, weil er für Archelaos, den von Augustus geschassten König, eingetreten war, Jakobus wurde, wohl ebenfalls im Umfeld dieses Aufstandes, gelyncht. Die Jerusalemer Gemeinschaft verlor von da an immer mehr an Bedeutung. Was übrig blieb, näherte sich den Samaritanern an und der Religion Simons – immer noch ohne Kreuzigung. Restanklänge dieser Entwicklung finden wir in der Apostelgeschichte des Lukas.

Als die jüdische Sekte um Simon in Samaria gefestigt war, reiste Simon nach Rom, er hatte erfahren, dass Jesus sich dort aufhalten sollte – die Auskunft war durchaus zutreffend, aber Simon war in Rom nicht so willkommen, wie er sich das ausgemalt hatte. Denn Jesus war kein Messias und hielt sich auch nicht für einen und stand daher Simons Personenkult mehr als ablehnend gegenüber und mit ihm gingen seine Schüler zu Simon auf Distanz. Die Juden Roms aber mochten den Simon auch nicht und so blieb ihm nichts anderes übrig, als eine eigene Gemeinde zu gründen, die weder jüdisch, noch chrästisch war, die ihre Klientel vor allem unter den sogenannten Gottesfürchtigen fand, also unter Heiden, die mit den Judentum sympathisierten, aber nicht zu demselben übertraten. So entstand ein sozusagen Judentum light, das die Feste feierte, das eine Reihe von Speise- und Verhaltensvorschriften einhielt, das aber keine Beschneidung übte und auch den Sabbat nur in liberaler Form hielt. Die Chrästen taten nichts dergleichen, sondern passten sich dem Mehrheitsbrauch an. Diese Gemeinschaft war es, an die sich der Römerbrief des Paulus wendet. Sie war nicht mehr streng jüdisch, aber auch nicht chrästisch. Paulus versuchte dann, ihr eine eigene theologische Grundlage zu geben, mit der sie sowohl gegen die Chrästen als auch gegen die Juden bestehen konnte, denn mit beiden lag sie in Streit. Als Grundlage dient ihm (die Evangelien gab es noch nicht) der jüdische Tenach und das inzwischen verschriftlichte Handbuch der Lehre Jesu, das wir als Thomasevangelium kennen. Aber Paulus kennt bereits eine Theologíe des Kreuzes, wenn wir voraussetzen wollen, dass der Römerbrief nicht redigiert wurde, also muss zwischen 50 und 70 unserer Zeitrechnung der Kreuzigungsmythos im Christentum Einzug gehalten haben. Jesus war mit Sicherheit um das Jahr 12 unserer Zeitrechnung wenn nicht bereits früher an unbekanntem Ort – nicht in Rom – verstorben, kommt also für eine Kreuzigung unter Tiberius/Pilatus nicht mehr in Frage. Aber es ist nach alledem sehr wahrscheinlich, dass Simon in Rom verstorben ist; und so hat die Tradition der katholischen Kirche, die sich auf seine Gründung beruft, einiges für sich. In der Tat wurde das Christentum in Rom zu dem ausgeformt, was wir heute unter demselben verstehen, aber – es wurde nicht von Paulus geformt, sondern an seiner Formung waren viele Unbekannte beteiligt – die ersten Jahrhunderte des Christentums zeigen denn auch ein sehr vielfältiges Bild, das römische Christentum ist nur eines von vielen. Allen diesen Christentümern war nur eines gemeinsam: die Verehrung Christi (nicht Jesu) als zentraler göttliche Gestalt und einige grundlegende sakrale Handlungen. Ob es sich dabei nur um Taufe und Eucharistie handelte, darf umstritten bleiben. Dazu können auch die Beichte und die Salbung (Firmung) gehört haben. Die klerikale Weihe setzt aber wahrscheinlich erst im zweiten Jahrhundert unserer Zeitrechnung ein, als sich feste organisatorische Strukturen zu bilden beginnen (Pastoralbriefe). Als wohl letztes der Sakramente tritt die Ehe hinzu, die bis ins Mittelalter ein rein ziviler Akt bleibt.

Im zweiten Jahrhundert unserer Zeitrechnung beginnt sich eine Sammlung von Schriften heraus zu kristallisieren, die von allen Christen als verbindlich angesehen wird, darunter sind drei Paraphrasen des Thomasevangeliums, eine Bearbeitung einer zeitnahen Jesusvita, die die Ereignisse in Israel zum Thema hat und spiegelt, während sie sich zugleich gegen den historischen Jesus wendet und dessen Vita mit dem Kreuzigungsmythos verschleift, es folgt eine „Urgeschichte der Kirche“, die allerdings über die Beschreibung der Paulusreisen nicht hinaus kommt, also Fragment bleibt, und das durch Markion populär gemachte Briefkorpus des Paulus, das entsprechend erweitert wird. Abschließend kommt im vierten Jahrhundert unserer Zeitrechnung eine Offenbarungsschrift hinzu, wobei es lange umstritten war, welche es sein sollte. Man entschied sich dann für die Kampfschrift eines gewissen Jochanaan, die im zweiten Jahrhundert unserer Zeitrechnung im Vorfeld des zweiten jüdischen Krieges entstanden war, aber es geht lange hin und her. Es dauert mindestens ein weiteres Jahrhundert, ehe dieser christliche Kanon sich weitgehend durchgesetzt hat, Varianten dazu sind bis heute gängig, so in Armenien und Syrien, aber auch in Afrika (Äthiopien). Aber man kann sagen, dass spätestens im dritten Jahrhundert unserer Zeitrechnung die „Kirche“ als übergreifende Struktur besteht und die Einheitlichkeit die Varianten überwiegt. Diese Kirche ist Ost- und Westkirche zugleich, im Osten mehr griechisch, im Westen mehr lateinisch orientiert, aber inhaltlich größtenteils identisch. Erst als der Bischof von Rom einen Primat für sich fordert, zerbricht die Einheit und es kommt in der Folge zum Schisma – Ost- und Westkirche trennen sich ohne sich allerdings in der Lehre zu trennen. In der Folge gehen aber beide so getrennte Wege, dass zwei eigenständige Kirchen mit eigenständigen Traditionen entstehen, die miteinander nichts mehr zu schaffen haben, auch wenn sie sich gegenseitig als christlich anerkennen. Damit wären wir in der regulären Kirchengeschichte angekommen um die es mir nicht geht.
Es geht mir aber noch abschließend darum, wie eine römisch – hellenistische eschatologische Mysteriensekte wie das Christentum zu einer Weltreligion mit Massenanhang werden konnte. Der erste Schritt wurde unbestritten von Konstantin 313 unserer Zeitrechnung getan, indem er das Christentum legitimierte. Den zweiten Schritt machte Theodosius, als er 390 unserer Zeitrechnung das Christentum zur Staatsreligion erhob. Beide Schritte setzen aber nicht voraus, dass das Christentum damals Massenanhang hatte. Es hatte sich lediglich als eine Gruppierung erwiesen, die dauerhaft hatte bestehen können und als solche löste sie den Kult des sol invictus ab, der sich im Volk nie hatte wirklich verwurzeln können. Daneben blieben andere Kulte aber bestehen – so erlebte der Manichäismus im römischen Reich seinen Aufstieg – sie wurden nur nicht mehr staatlich gefördert und unterstützt. Die Kulte der alten Staatsgötter verfielen daraufhin, die Mysterienreligionen, die stets privat geblieben waren, bestanden aber noch eine Zeitlang weiter. Eine Inquisition fand, von Einzelfällen abgesehen, nicht statt. Aber statt Tempeln wurden nun Kirchen gebaut, der Sonntag wurde arbeitsfrei gehalten und an die Stelle der Götterfeste traten die kirchlichen Feiertage, die viel altes Brauchtum aufnahmen und christlich uminterpretierten, an die Stelle der Götter und Heroen traten die Heiligen, die oft Eigenschaften der Götter übernahmen. So wurde ganz gemach aus der alten römischen Gesellschaft eine neue christliche – es geschah nicht gewaltsam, auch wenn es hier und dort immer Übergriffe gab. Es geschah auf dem Wege der Gewöhnung. Gerade weil niemand gezwungen wurde, Christ zu werden, wurden viele Christen, das Volk will glauben und ein Gott ist ihm dabei wie der andere recht, wenn es ihn nur hat. Es ist sogar nicht auszuschließen, dass die, welche Christen wurden, daneben noch ihre alten Götter verehrten, wie es die Staatsreligion Roms seit jeher gestattet hatte. Man darf wohl einen römischen Christen des vierten und fünften Jahrhunderts nicht mit einem modernen Christen vergleichen – er wird das Christentum sehr viel leichter genommen haben, zugleich aber auh sehr viel distanzierter als es ein Christ heute tut. Es hatte nichts mit seinem Privatleben zu tun, aber alles mit seiner Identität als Staatsbürger. Aber die vielen Geschichten von Privatleuten, was ist mit denen? Man vergesse nicht, dass Jacobus de Voragine, aus dessen Sammlung „Legenda aurea“ die meisten Heiligengeschichten stammen, ein Christ des Mittelalters war, in dem Christ zu sein bedeutete, Mensch zu sein. Voragine schildert nicht die römische Gesellschaft der Spätantike, schon gar nicht die klassische, sondern sein Aktionsfeld ist die christliche Welt des Mittelalters, in dessen Polaritäten er seine Geschichten einbaut – in ein erbittertes Für und Wider, das auf Glaubenskriegen und Zwangstaufen fußt und das er einfach um Jahrhunderte zurück überträgt, weil für ihn eine andere Gesellschaft nur eine feindliche sein kann. Die Wahrheit war wohl eine ganz andere.

Den Rest kennen wir: nicht Überzeugung hat das Christentum zur Weltreligion werden lassen, sondern der Zwang, den Kolonisatoren auf zu Kolonisierende ausübten. Lediglich die weitere Diversifizierung beruhte und beruht dann auf Freiwilligkeit, aber die ist auch wieder durch Vorteilsgewährung begrenzt, wie man an der Zunahme der Freikirchen evangelikalen Zuschnitts in Südamerika sehen kann, die zumeist eben mit wirtschaftlicher Besserstellung werben und mit der Sicherheit einer geschlossenen sozialen Gruppe in einer mehr und mehr entsolidarisierten Zeit. Ähnlich ist die Situation im Süden und Westen Afrikas. Im Norden und Osten hingegen sind die Missionserfolge eher bescheiden – hier kommt die christliche Mission zu spät, der Islam war früher da. In Asien hat die christliche Mission kaum Erfolg, weil Asien eine lange eigenständige soziokulturelle Tradition besitzt, die sich als funktionsfähig erwiesen hat und immer noch erweist. Hier erreicht das Christentum nur die von dieser Gesellschaft als nicht zugehörig Betrachteten und auch diese erreicht es nur sehr partiell, da die meisten in ihren sozialen Status integriert sind – siehe die Unberührbaren in Indien, die sich größtenteils mit ihrem Status arrangiert haben, zumal der ihnen immer weniger Beschwer macht. Würde das Christentum ihnen sichtlich wirtschaftliche Verbesserung bringen, wäre die Lage sicher eine andere, aber das tut es nun einmal nicht. Gleiches trifft auf andere asiatische Kulturen zu. Man kann also nicht sagen, dass der Erfolg des Christentums auf die Strahlkraft der christlichen Lehre zurück geht. Sorry...
.. wer Schlechtes über den reinen Geist sagt, dem wird nicht vergeben, weder auf Erden, noch im Licht..
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